Trump greift nach den Zinsen – während die globalen Ersparnisse austrocknen

Die Zinspolitik steht im Fokus – doch die weltweiten Ersparnisse schwinden. Ein gefährliches Spiel für die Märkte.
Trump will die Kontrolle über die Zinssätze – aber die Realität holt ihn ein. Die globalen Ersparnisse versiegen, und niemand redet darüber. Typisch Finanzwelt: Sie ignoriert die Warnsignale, bis es zu spät ist.
Was kommt als Nächstes? Eine Abwärtsspirale für die Wirtschaft – oder ein unerwarteter Ausweg? Die Uhr tickt.
Trump will die Zinssätze kontrollieren, doch die weltweiten Ersparnisse versiegen
Trump hat sich für einen neuen Fed-Vorsitzenden stark gemacht, der die Zinsen schnell senken soll. Nach dem vorzeitigen Rücktritt von Fed-Gouverneurin Adriana Kugler sah er seine Chance. Mit einer loyalen Vorsitzenden hofft er, die Notenbank auf seine Seite zu ziehen.
Er hat Powell auch öffentlich bedroht und ihn als „ZU WÜTEND, ZU DUMM UND ZU POLITISCH“ bezeichnet. Die kurzfristigen Zinsen könnten im September sinken, insbesondere angesichts der Schwächen auf dem Arbeitsmarkt, doch das wird nicht viel ausmachen, solange die langfristigen Zinsen weiter steigen.
Warum steigen sie? Weil die weltweiten Ersparnisse zusammenbrechen. Die Babyboomer, die sie aufgebaut haben, gehen in Rente und geben ihre Renten aus. China kauft nicht mehr so viele US-Schulden wie früher. Seine Reserven sind seit 2014 von 4 Billionen Dollar auf 3,3 Billionen Dollar gesunken. Das reißt eine große Nachfragelücke. Und Saudi-Arabien zieht sein Geld aus Staatsanleihen AB und investiert in eigene Megaprojekte wie die futuristische Stadt Neom. Selbst ölreiche Petrostaaten parken cash nicht mehr in Washington.
Die USA haben die Lage noch verschlimmert. Nachdem die Regierung 2022 russische Vermögenswerte im Wert von 300 Milliarden Dollar eingefroren hatte, verwandelte sie Staatsanleihen in Waffen. Das versetzte andere Länder in Angst und Schrecken. Wenn die USA sich Russlands Geld unter den Nagel reißen können, können sie es jedem antun.
Und dann ist da noch die Fed selbst. Jahrzehntelang habendentvon Ronald Reagan bis Barack Obama ihre Unabhängigkeit respektiert. Das gab den Anlegern ein Gefühl der Sicherheit, denn niemand möchte sein Geld in eine Zentralbank stecken, die politisch manipuliert zu sein scheint.
Jahrzehntelang niedrige Zinsen waren auf Sparüberschüsse und schwache Nachfrage zurückzuführen
Von den frühen 1980er-Jahren bis in die 2010er-Jahre fielen die Zinsen kontinuierlich. Der Grund? Es gab zu viel Geld, das aber kaum Anlagemöglichkeiten bot. Die Babyboomer sparten für den Ruhestand. China und andere Länder erwirtschafteten hohe Handelsüberschüsse und nutzten die Gewinne für den Kauf von Staatsanleihen. Die Ölexporteure taten dasselbe. Technologie war billig, und das Wachstum verlief schleppend. All dies führte zu einem niedrigeren „natürlichen“ Zinssatz.
Laut Bloomberg Economics sank der natürliche Zinssatz von rund 5 Prozent in den 1980er Jahren auf 1,7 Prozent im Jahr 2012. Doch dieses System ist heute verschwunden. Die Babyboomer verlassen die Arbeitswelt. China lässt seine Währung frei schwanken und muss daher keine Dollars kaufen, um sie niedrig zu halten. Saudi-Arabien setzt auf die Zukunft und finanziert nicht US-Schulden. Die Kräfte, die die Zinsen niedrig hielten, sind umgekehrt.
Die Staatsverschuldung ist außer Kontrolle geraten. Die US-Verschuldung liegt bei fast 100 Prozent des BIP. 2001 lag sie bei knapp über 30 Prozent. Die Verteidigungsausgaben steigen wieder. Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine einigten sich die europäischen NATO-Mitglieder darauf, ihre Verteidigungshaushalte auf 3,5 Prozent des BIP zu erhöhen.
Bloomberg schätzt, dass sich die europäische Verschuldung dadurch in den nächsten zehn Jahren um 2,3 Billionen Dollar erhöhen wird. Da globale Investoren französische und deutsche Anleihen als Ersatz für US-Staatsanleihen betrachten, treibt dies auch die US-Zinsen in die Höhe.
KI ist ein weiterer Kostenfaktor. Der Bau von Rechenzentren, die Modernisierung von Stromnetzen und die Umgestaltung von Lieferketten werden viel Geld kosten. Regierungen konkurrieren mit Unternehmen um Kapital, und niemand spart mehr so viel wie früher. Der natürliche Zinssatz steigt.
Bloomberg Economics geht derzeit von 2,5 Prozent aus und prognostiziert, dass die Rendite bis 2030 auf 2,8 Prozent steigen könnte. Damit läge die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen selbst im besten Fall zwischen 4,5 und 5 Prozent. Sollte sich die Lage verschlechtern, könnte der Zinssatz auf 6 Prozent oder mehr steigen. Trump kann das nicht durch einen Personalwechsel ändern.
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