US-Behörden untersuchen 179.071 Tesla Model 3 (Baujahr 2022): Versteckte Notentriegelungen der Türen im Fokus
Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hat eine Untersuchung eröffnet – und sie betrifft eine beträchtliche Flotte.
Der Vorwurf: Versteckte Notentriegelungen. Konkret geht es um 179.071 Fahrzeuge des Tesla Model 3 aus dem Baujahr 2022. Die Behörde prüft, ob ein potenzieller Defekt im Türverriegelungssystem die Sicherheit der Insassen im Notfall beeinträchtigen könnte.
Ein Blick hinter die Kulissen
Die Untersuchung konzentriert sich auf die mechanische Notfallfunktion der Türen. Im Falle eines Stromausfalls oder eines Unfalls muss diese zuverlässig funktionieren, um einen Ausstieg zu ermöglichen. Die NHTSA will nun klären, ob bei den betroffenen Fahrzeugen diese kritische Sicherheitskomponente möglicherweise nicht den Anforderungen entspricht.
Das Prozedere folgt einem standardisierten Muster: Datensammlung, Risikobewertung, dann die Entscheidung über mögliche nächste Schritte. Ein Rückruf ist eine Option, aber noch kein beschlossener Schritt.
Ein Störfaktor für die Narrative – auch an der Börse
Solche Nachrichten durchschneiden oft das reibungslose Bild des technologischen Vorreiters. Sie erinnern daran, dass auch bei Hightech-Pionieren die Grundlagen der physischen Sicherheit nicht vernachlässigt werden dürfen. Für Anleger ist es eine weitere Erinnerung, dass der Weg zur Mobilitätsrevolution mit regulatorischen Schlaglöchern gepflastert ist – ein kleines Lehrgeld für disruptive Innovation, das sich gerne in der Quartalsbilanz versteckt.
Quelle: NHTSA
Die NHTSA weitet ihre laufenden Ermittlungen zu Teslas zahlreichen Türproblemen aus
Erst im vergangenen September eröffnete die NHTSA einen separaten Fall zum Tesla Model Y, nachdem es mehrere Berichte über Kinder gab, die in dem Fahrzeug stecken blieben, weil die 12-Volt-Batterie ausfiel, da dann die elektrischen Türgriffe nicht mehr funktionierten.
Das Modell 3 und das Modell Y sind die meistverkauften Autos des Unternehmens, daher könnten diese Fälle eine große Gruppe von Fahrern betreffen.
Recherchen von Bloomberg ergaben, dass in den letzten zehn Jahren mindestens 15 Menschen ums Leben kamen, weil sich die Türen von Teslas nach einem Unfall nicht öffneten. Bei einigen dieser Todesfälle sollen Rettungskräfte nicht schnell genug in der Lage gewesen sein, die Türen zu öffnen, als die Fahrzeuge Feuer fingen.
Während der Designphase des Model 3 äußerten Ingenieure Bedenken hinsichtlich der Funktionsfähigkeit der elektrischen Türgriffe im Notfall. Wie bereits berichtete , wurden diese Bedenken direkt an CEO Elon Musk herangetragen, der sich dennoch für das bestehende Design entschied, sofern eine manuelle Entriegelung möglich war.
Musk sah sich vor Jahren mit Bedenken konfrontiert, machte aber weiter
Das Problem liegt in Teslas Bauweise. Das 2012 eingeführte Model S war das erste Modell, das das Unternehmen von Grund auf selbst entwickelte. Es verfügte über flächenbündig eingebaute Türgriffe, die sich bei Berührung ausfahren ließen. Diese Konstruktion reduzierte zwar Luftwiderstand und Geräusche, erhöhte aber auch die Komplexität. Bei Stromausfall funktionieren diese elektrischen Griffe nicht.
Elon Musk räumte bereits 2013 ein, dass es Probleme mit diesen Türsensoren gab. „Wir haben einen ziemlich ausgeklügelten Türgriff, und gelegentlich funktionierte der Sensor nicht richtig“, sagte er Analysten während einer Telefonkonferenz zu den Quartalsergebnissen. „Man zog also am Türgriff, und die Tür ging nicht auf. Das ist natürlich ziemlich ärgerlich für einen Kunden.“
2021 erklärte Elon Musk gegenüber Analysten, das Problem Sei gelöst. „Diedentmit den Türgriffen sind praktisch auf null zurückgegangen.“ Doch Clouse und andere berichten 2025 etwas anderes.
Nachdem Clouse im letzten Monat seinen Antrag eingereicht hatte, begann die NHTSA zu prüfen, ob ein vollständiger Rückruf angeordnet werden soll. Die Behörde hat noch keine endgültige Entscheidung getroffen, die Untersuchung läuft jedoch. Bloomberg bestätigte außerdem Details zu Clousesdentaus dem Jahr 2023, darunter die Tatsache, dass er ein Fenster eintreten musste, um aus der verrauchten Kabine zu gelangen.
Die Tesla-Aktie schloss am Heiligabend nach verkürztem Handel um 0,7 Prozent. Das Unternehmen hat sich bisher nicht öffentlich zu den Ermittlungen geäußert. Clouse wartet derweil noch immer auf Antworten.
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