Wall Street erwartet für 2026 überdurchschnittliches Wachstum: KI-Investitionen treiben Gewinne an

Die Börsenpropheten haben wieder ihre Kristallkugeln ausgepackt – und sieh an, sie sehen grün. Für 2026 prognostiziert die Wall Street ein Wachstum, das den langweiligen Durchschnitt hinter sich lässt. Der Treibstoff? Massives Kapital, das in künstliche Intelligenz fließt.
KI frisst die Welt – oder zumindest die Gewinnmargen
Es ist kein Geheimnis mehr: Wer nicht in KI investiert, wird investiert. Konzerne pumpen Milliarden in Algorithmen, die Prozesse optimieren, Kosten senken und völlig neue Umsatzquellen erschließen. Diese Investitionen beginnen jetzt, Früchte zu tragen und schlagen sich direkt in den Bilanzen nieder. Die Analysten an der Wall Street reiben sich bereits die Hände.
Ein überdurchschnittliches Jahr steht bevor
Die Erwartungen sind klar: 2026 soll kein normales Börsenjahr werden. Die Prognosen zielen auf ein Wachstum ab, das die historischen Benchmarks übertrifft. Der Grundton ist bullish, getragen von der Überzeugung, dass die KI-Revolution keine Eintagsfliege ist, sondern ein nachhaltiger Profitmotor.
Die andere Seite der Medaille
Natürlich darf der obligatorische Zweifel nicht fehlen. Einige Skeptiker fragen sich, wie viel des erwarteten Wachstums bereits in die aktuellen, oft aufgeblähten Bewertungen eingepreist ist. Schließlich liebt es die Wall Street, denselben Wachstumstrend zweimal zu verkaufen – einmal als Verheißung und einmal als Ergebnis.
Fazit: Die Maschinen übernehmen das Ruder – zumindest in den Quartalsberichten. Ob die realen Gewinne am Ende auch die überzogenen Erwartungen der Analysten erfüllen können, steht auf einem anderen Blatt. Aber für 2026 wird erstmal kräftig auf die KI-Karte gesetzt.
Anleger ignorieren Zinssorgen angesichts des schwächelnden Arbeitsmarktes
Trotz der zunehmenden Risiken bleiben die Optimistendent. Selbst wenn die US-Arbeitsmarktdaten Anzeichen einer Abschwächung zeigen und der Markt im nächsten Jahr nur zwei Zinssenkungen der Fed erwartet, ist der Optimismus ungebrochen. Die Wachstumsprognose stützt den Markt. Doch diese Prognose steht nun auf wackeligen Beinen.
Scott Chronert von Citigroup warnte davor, dass der vierte Jahreswechsel der aktuellen Rallye mit Risiken verbunden sei. „Anhaltende Volatilität ist zu erwarten und könnte angesichts der impliziten Wachstumserwartungen sogar noch stärker ausfallen“, sagte er. „Ein hoher Bewertungsstand stellt zwar eine Hürde für den Markt dar, ist aber keine unüberwindbare.“
Scott fügte hinzu, dass sich die Grundlagen nun erst beweisen müssten, der Spielraum für Fehler also weg sei.
Dasselbe gilt für Investitionen in KI-bezogene Anlagen, denn der Technologiesektor, insbesondere Hyperscaler, investiert Milliarden in KI-Infrastruktur und treibt die Ausgaben damit auf ein gefährliches Niveau. Dies belastet die Bilanzen.
Und Anleihehändler beobachten die Lage genau. Als die Oracle-Aktie nach schwachen Quartalszahlen einbrach, schnellten die Kreditausfallswaps auf Rekordhöhen. Das reichte aus, um den gesamten Markt zu warnen.
Die Gewinnerwartungen für 2026 sind derweil extrem hoch. In allen Regionen wird ein zweistelliges Wachstum angestrebt. Das wird aber nur gelingen, wenn viele Faktoren optimal laufen. Asien muss Wirtschaftswachstum generieren.
Europa muss die Staatsausgaben direkt in die Unternehmensgewinne lenken. Und in den USA hängt alles von der Dynamik der KI-Entwicklung und einem weiterhin funktionierenden Arbeitsmarkt ab.
Die Lagerrotation nimmt zu, während AI und Semis an Fahrt verlieren
Zwei Monate in Folge mit Kursrotationen zeigen, dass Anleger sich von KI- und Halbleiteraktien abwenden und stattdessen traditionellere Branchen ins Visier nehmen. Dieser Trend ist sowohl in den USA als auch in Europa zu beobachten, verläuft aber regional unterschiedlich.
Hierbei handelt es sich um die Suche nach Wertpotenzial in schwächelnden Sektoren, eine Wette auf defensive Werte und wirtschaftliche Risiken, die sich in den kommenden Berichtssaisons voraussichtlich noch verstärken wird.
Da das Konzentrationsrisiko AB 2025 noch immer präsent ist, setzen Händler nun verstärkt auf die Aktienauswahl. Die Korrelationen zwischen Indexmitgliedern sind stark zurückgegangen, was Vermögensverwaltern eine seltene Chance auf Outperformance bietet.
Jean Boivin von BlackRock sagte, das Unternehmen glaube weiterhin an das Thema KI als Haupttreiber für US-Aktien, fügte aber hinzu, dass das Umfeld jetzt eher dazu neige, „Gewinner und Verlierer unter den Entwicklern jetzt und später, wenn sich die KI-Gewinne auszubreiten beginnen, auszuwählen“
Auch saisonale Schwankungen spielen eine Rolle. Der Jahresbeginn steigert in der Regel die Risikobereitschaft, dank neuer Mittelzuflüsse, angepasster Leistungsziele und neuer Risikobudgets. Ein stetiger Aufwärtstrend ist jedoch nicht garantiert. Januar und Februar verlaufen meist uneinheitlich, mit sowohl starken Kursgewinnen als auch deutlichen Kursrückgängen in den vergangenen Jahren. Alle richten ihren Blick auf das erste Quartal, doch die Erwartungen könnten zu hoch sein.
Das letzte Risiko, das trac , ist eindeutig: der Arbeitsmarkt. Sollte sich die Beschäftigungslage weiter verschlechtern, bricht der gesamte Wachstumsausblick zusammen. Kamakshya Trivedi von Goldman Sachs ist der Ansicht , dass die Rezessionswahrscheinlichkeit zwar derzeit gering ist, der KI-Markt aber weiterhin die größte Bedrohung für US-Aktien darstellt.
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