EU-Gericht verhängt 637 Millionen Euro Strafe gegen Apple: Niederlande gewinnt App-Store-Klage

Brüssel schlägt zurück – mit einer Rechnung, die selbst für Apple schmerzhaft ist.
Der Preis der Kontrolle
Das Urteil ist eindeutig: 637 Millionen Euro Schadenersatz wegen Verstoßes gegen das App-Store-Gesetz. Keine kleine Summe, selbst für einen Tech-Riesen. Das Gericht folgte der niederländischen Klage und sendet eine klare Botschaft an Cupertino – die Regeln gelten für alle.
Mehr als nur eine Geldstrafe
Es geht ums Prinzip. Die sogenannte „Maut“ auf jeden In-App-Kauf, die 30-Prozent-Abgabe, steht seit Jahren in der Kritik. Entwickler fühlen sich gegängelt, Wettbewerber benachteiligt. Jetzt hat die Justiz ein Machtwort gesprochen. Ein Präzedenzfall, der in ganz Europa Wellen schlagen wird.
Die neue Realität für Big Tech
Die Zeiten, in denen Silicon Valley nach eigenem Gusto regieren konnte, sind vorbei. Regulierer auf der ganzen Welt schärfen ihre Werkzeuge. Die EU zeigt mit diesem Urteil erneut ihre Zähne. Für Apple bedeutet das nicht nur einen finanziellen Aderlass, sondern einen strategischen Rückschlag. Das geschlossene Ökosystem bekommt Risse.
Ein Sieg – mit bitterem Beigeschmack
Während Verbraucherschützer jubeln, fragen sich Finanzbeobachter, wer die Rechnung wirklich zahlt. Letztlich wird der Kunde die höheren Kosten tragen – entweder direkt oder durch eingeschränkte Innovation. Ein klassischer Fall von regulatorischer Arithmetik: Die Strafe wird kassiert, die wahren Kosten sozialisiert. So funktioniert „Gerechtigkeit“ im Zeitalter der Plattform-Ökonomie.
Das Urteil steht. Die Botschaft auch: In Europa gelten für alle die gleichen Regeln – auch für die wertvollste Firma der Welt.
Niederländisches Gericht darf Verfahren fortsetzen, nachdem Apple die Zuständigkeit angefochten hatte.
Apple hatte versucht, das Verfahren zu blockieren, indem es argumentierte, niederländische Gerichte seien nicht zuständig. Das Unternehmen behauptete, der angebliche Schaden Sei nicht in den Niederlanden entstanden. Der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) wies diese Argumentation jedoch entschieden zurück.
Die Richter urteilten, dass die Auswirkungen direkt mit den Niederlanden verbunden seien, da der App Store für niederländische Nutzer lokalisiert sei, die niederländische Sprache verwende und mit niederländischen Apple-IDs verknüpft sei.
„Der Schaden, der angeblich durch Käufe in diesem virtuellen Raum entsteht, kann daher in diesem Gebiet unabhängig davon entstehen, wo sich die betroffenen Nutzer zum Zeitpunkt des Kaufs befanden“, so .
Mit dieser Erklärung wurde bestätigt, dass die territoriale Zuständigkeit beim niederländischen Gericht liegt und dass auch die internationale Zuständigkeit gültig ist.
Die beiden Verbraucherstiftungen, die den Fall angestrengt haben, werfen Apple vor, seine marktbeherrschende Stellung missbraucht und App-Entwicklern überhöhte Gebühren berechnet zu haben, was ihrer Ansicht nach illegal war. Diese Gebühren seien an die Nutzer weitergegeben worden, was zu in die Höhe getriebenen Preisen für Millionen niederländischer Kunden geführt habe.
Das Urteil des EuGH erging, nachdem ein niederländisches Gericht den in Luxemburg ansässigen Gerichtshof um Klarstellung gebeten hatte, ob eine solche Schadensersatzklage zulässig sei.
Nachdem nun grünes Licht gegeben wurde, wird die vollständige Anhörung zum Inhalt der Klage voraussichtlich im ersten Quartal 2026 in den Niederlanden stattfinden, so Rogier.
Sollte das niederländische Gericht den Stiftungen Recht geben, könnte dies zu einer der höchsten Schadensersatzzahlungen führen, mit denen Apple jemals in Europa konfrontiert war.
Der Rechtsstreit ist nun abgeschlossen, und Apple muss sein Gebührenmodell für den App Store vor einem niederländischen Richter verteidigen.
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