Stablecoins mangelt es an der Abwicklungsfunktion von Fiat-Geld – Warum Zentralbanken warnen
In einem bahnbrechenden Bericht warnt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) vor den systemischen Risiken von Stablecoins. Die Untersuchung zeigt, dass diese digitalen Vermögenswerte in drei Schlüsselbereichen versagen: Stabilität, Flexibilität und Integrität. Während Stablecoins wie USDC und USDT zunehmend in traditionelle Finanzsysteme integriert werden, bleiben fundamentale Fragen zu ihrer Regulierung, Transparenz und ihrem wirtschaftlichen Nutzen unbeantwortet.
Warum schneiden Stablecoins als Geld schlecht ab?
Der unveröffentlichte Jahreswirtschaftsbericht der BIZ kommt zu einem vernichtenden Urteil: Stablecoins erfüllen die drei grundlegenden Funktionen von Geld – Recheneinheit, Wertaufbewahrung und Tauschmittel – nur unzureichend. Anders als Zentralbankgeld fehlt ihnen die institutionelle Unterstützung, die notwendig ist, um Vertrauen zu schaffen. Hyun Shin, Wirtschaftsberater der BIZ, vergleicht Stablecoins mit privaten Banknoten aus dem 19. Jahrhundert, die je nach Emittent mit variablen Wechselkursen gehandelt wurden. Dies untergräbt das grundlegende Prinzip von staatlich garantiertem Geld.
Welche spezifischen Risiken identifiziert die BIZ?
Die Analyse nennt mehrere kritische Schwachstellen: Erstens das Fehlen ausreichender Sicherungen gegen illegale Nutzung, da viele Stablecoins nicht die strengen "Know-your-customer"-Standards traditioneller Finanzinstitute einhalten. Zweitens die mangelnde Transparenz bei den Reserveguthaben – es bleibt oft unklar, ob die versprochenen Deckungsguthaben tatsächlich vorhanden sind. Drittens die Gefahr von "Fire Sales", wie das TerraUSD/LUNA-Desaster von 2022 zeigte, als der Zusammenbruch des Algorithmus zu einem Abwärtssog im gesamten Kryptomarkt führte.
Wie bedrohen Stablecoins die monetäre Souveränität?
Andrea Maechler, stellvertretende Generalmanagerin der BIZ, warnt vor der destabilisierenden Wirkung auf Schwellenländer. Da Stablecoins überwiegend an den US-Dollar gebunden sind, könnten sie Kapitalflucht verstärken und lokale Währungen schwächen. Der Bericht zeigt zudem auf, dass private Stablecoin-Emittenten de facto geldpolitische Entscheidungen treffen – eine Kernkompetenz, die traditionell Zentralbanken vorbehalten ist. Dies wirft grundlegende Fragen zur demokratischen Legitimation auf.
Welche Alternative schlägt die BIZ vor?
Agustín Carstens, scheidender BIZ-Chef, plädiert für ein hybrides System: Tokenisierte Zentralbankreserven sollen als stabile Abwicklungsasset für Großhandelstransaktionen dienen, während kommerzielle Bankguthaben und Staatsanleihen in ein einheitliches, programmierbares Hauptbuch integriert werden. Dieses Modell kombiniert die bewährte Zwei-Stufen-Struktur des aktuellen Systems mit den Effizienzvorteilen der Distributed-Ledger-Technologie. Shin betont, dass nur Zentralbankgeld das notwendige Maß an Stabilität für ein globales Zahlungsmittel bieten kann.
Welche Rolle könnten Stablecoins dennoch spielen?
Trotz der Kritik räumt der Bericht ein, dass Stablecoins in Nischenbereichen wie grenzüberschreitenden Zahlungen oder im E-Commerce (etwa durch Partnerschaften mit Visa oder Shopify) nützlich sein könnten. Allerdings müssten sie strengen Aufsichtsstandards genügen und klar als Ergänzung – nicht als Ersatz – für staatliches Geld positioniert werden. Die BIZ warnt davor, dass ohne klare Regulierung Stablecoins weiterhin ein destabilisierender Faktor im globalen Finanzsystem bleiben werden.