Apple und Google umgehen texanisches Altersverifizierungsgesetz – Richter stoppt Durchsetzung

Ein texanischer Richter hat die Durchsetzung des umstrittenen Altersverifizierungsgesetzes gestoppt. Die Folge: Tech-Giganten Apple und Google müssen Nutzer in Texas vorerst nicht zwingend überprüfen.
Das Gesetz, das eigentlich am 1. Januar 2025 in Kraft treten sollte, zielte darauf ab, den Zugang zu bestimmten Inhalten im App Store und Play Store zu beschränken. Die Richterin argumentierte in ihrer einstweiligen Verfügung mit verfassungsrechtlichen Bedenken – ein vorläufiger Sieg für die Tech-Konzerne im Dauerkampf um Regulierung und Privatsphäre.
Was bedeutet das für die Nutzer?
Für texanische iPhone- und Android-Nutzer ändert sich im Moment nichts. Sie können Apps wie gewohnt herunterladen, ohne zusätzliche Identitätschecks durchlaufen zu müssen. Ein Atemzug der Normalität in einem zunehmend fragmentierten digitalen Rechtsraum.
Der regulatorische Schattenboxkampf geht weiter
Texas ist nur ein Schauplatz im weltweiten Ringen zwischen Gesetzgebern und Big Tech. Während Staaten versuchen, das digitale Wild West einzudämmen, setzen Konzerne auf ihre juristischen Abteilungen und Lobby-Macht. Ein teures Spiel – die Anwaltskosten dürften allein für diese Klage in die Millionen gehen. Geld, das bei den Aktionären sicher besser aufgehoben wäre, oder?
Die Blockade ist vorläufig. Der Staat Texas kann Berufung einlegen, und ähnliche Gesetze laufen bereits in anderen Bundesstaaten. Der Ausgang könnte einen Präzedenzfall schaffen – nicht nur für Altersverifikation, sondern für jede Art von staatlicher Tech-Regulierung.
Für die Tech-Branche ist es ein taktischer Sieg. Sie kauft Zeit, während der politische Wind sich drehen könnte. Für Bürgerrechtler ein Moment der Erleichterung. Für den Gesetzgeber eine Erinnerung daran, dass selbst die beste Absicht vor Gericht scheitern kann. Und für Anleger? Nur eine weitere kostspielige Unsicherheit in den Büchern – reguliert wird schließlich mit dem Geld der Aktionäre.
Erste juristische Auseinandersetzung ebnet den Weg für nationale Debatte
Dieses Urteil ist von Bedeutung, da Texas als erstes Bundesland ein solches Gesetz erlassen hat. Utah und Louisiana haben ähnliche Gesetze verabschiedet, und der Kongress erwägt nun eine landesweite Einführung. Die Entscheidung in Texas könnte daher richtungsweisend für die weitere Entwicklung in anderen Bundesländern sein.
Wie würde das Gesetz also funktionieren? App-Stores wie Apple und Google müssten das Alter der Nutzer überprüfen und diese Information an die App-Entwickler weitergeben. Ziel ist es, Kinder von Apps fernzuhalten, die sie nicht nutzen sollten. Elterninitiativen hatten diese Idee ursprünglich, später setzten sich auch Meta und andere große Technologieunternehmen wie Snap und X dafür ein.
Der Branchenverband der Computer- und Kommunikationsindustrie (CCIA) klagte gegen das Gesetz. Zu seinen Mitgliedern gehören Apple, Google und Meta. Der Verband argumentierte, das Gesetz führe zu einer umfassenden Zensur aller mobilen Apps und würde Jugendlichen den Zugang zu Online-Inhalten unnötig erschweren. Kinder und ihre Eltern müssten persönliche Daten preisgeben, nur um Apps nutzen zu können.
Einedent reichte ebenfalls Klage ein. Sie argumentierte, das Gesetz verstoße gegen die Verfassung, da es die Inhalte, die Kinder sehen dürfen, einschränke. Beamte in Texas hingegen halten das Gesetz für verfassungsgemäß und befürworten dessen Gültigkeit.
Der Staat kann beim Fünften Bundesberufungsgericht Berufung einlegen, das bereits ähnliche Internetsperren aufgehoben hat. Die Staatsanwaltschaft von Ken Paxton hat sich noch nicht dazu geäußert, ob sie Berufung einlegen wird.
Richter erklärt Gesetz für verfassungswidrig
Richter Pitman erklärte, das Gesetz müsse den strengsten Anforderungen des Ersten Verfassungszusatzes genügen. Das bedeute, Texas müsse nachweisen, dass es „das mildeste Mittel zur Erreichung eines zwingenden staatlichen Interesses“ sei. Er befand, der Staat erfülle diese Hürde nicht. Tatsächlich, so Pitman, würde das Gesetz nicht einmal einen niedrigeren Standard bestehen, da Texas nicht dargelegt habe, dass seine Methoden tatsächlich mit seinen Zielen in Verbindung stünden.
Der Richter räumte ein, dass der Schutz von Kindern im Internet wichtig sei. Er fügte jedoch hinzu: „Die Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, müssen mit dem Ersten Verfassungszusatz vereinbar sein. Wie dringlich die politischen Bedenken auch sein mögen und wie weit verbreitet die Übereinstimmung darüber ist, dass das Problem angegangen werden muss, bleibt das Gericht an die Rechtsstaatlichkeit gebunden.“
Apple wollte dieses Gesetz unbedingt verhindern. CEO Tim Cook soll Gouverneur Greg Abbott persönlich angerufen haben, um ihn von der Unterzeichnung abzuhalten. Das Unternehmen stand bereits zuvor in verschiedenen Ländern wegen seiner App-Store-Richtlinien im Fokus der Kartellbehörden
Google lehnte auch die texanische Variante ab, unterstützte aber kürzlich den anderen Ansatz Kaliforniens, der weniger Nutzerdaten sammelt.
Ein Unterausschuss des Energie- und Handelsausschusses des Repräsentantenhauses hat zwei Gesetzesentwürfe verabschiedet, die Elemente aus den texanischen und kalifornischen Versionen vereinen. Dieses Bestreben nach einem bundesweiten Gesetz beunruhigte Apple so sehr, dass sich Cook am Tag vor der Abstimmung mit den Ausschussvorsitzenden traf.
Angesichts der vielen neuen Gesetze, die in verschiedenen Bundesstaaten und im Kongress verabschiedet werden, beginnen auch die App-Store-Betreiber, eigene Anpassungen vorzunehmen. Apple hat dieses Jahr neue Kinderschutzfunktionen eingeführt, darunter die Möglichkeit für Eltern, die Altersspanne ihrer Kinder mit App-Entwicklern zu teilen.
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