Silber sticht Gold: Knappes Angebot und grüne Tech-Nachfrage treiben den Preis – aber ist das wirklich besser?

Der Silberpreis schießt vorbei. Getrieben von einer perfekten Sturmflut aus knappem Angebot und einer explodierenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und Solarenergie, überholt das weiße Metall seinen glänzenden Bruder. Eine neue Ära für den klassischen Edelmetallmarkt? Vielleicht. Oder nur der nächste Hype-Zyklus, bei dem Anleger auf der Suche nach dem nächsten großen Ding die Fundamentals vergessen – eine Spezialität der Finanzwelt.
Die grüne Revolution frisst Silber
Jede Solarzelle, jedes Elektroauto verbraucht Unmengen des Industriemetalls. Die Nachfragekurve steigt steil an, während die Minenproduktion kaum mithält. Ein klassisches Angebotsdefizit entsteht und drückt die Preise nach oben. Silber wird plötzlich zur essentiellen Tech-Komponente, nicht nur zum Schmuckstück.
Knappheit als Preistreiber
Das Angebot bleibt eng. Neue Minenprojekte brauchen Jahre, bis sie fördern. Recyclingströme können die Lücke nicht schließen. Die Märkte reagieren auf diese fundamentale Verknappung – und schicken den Silberpreis auf eine Rallye, die Gold in den Schatten stellt.
Das bessere Investment?
Die entscheidende Frage bleibt: Ist Silber jetzt die klügere Wahl? Seine Volatilität ist berüchtigt, seine Abhängigkeit von der Industriekonjunktur groß. Gold behält seine Rolle als ultimative Krisenwährung. Silber glänzt heller, aber sein Licht könnte schneller erlöschen – zumindest bis zum nächsten grünen Subventionsprogramm, das die Kurse wieder anheizt. Am Ende gewinnt vielleicht nur der, der beide Metalle im Portfolio hat und den Markthype mit einer Prise gesunder Skepsis betrachtet.
ETF-Zuflüsse, schwache Minenmärkte und Optionsspekulationen bringen Silberinvestoren in eine Falle. Haben sie einen Plan?
Laut Daten der LSEG beläuft sich der weltweite Silberbestand derzeit auf unter 50 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Der Goldbestand liegt bei rund 1,2 Billionen US-Dollar, wobei ein Großteil davon in den Tresoren von Zentralbanken (insbesondere der Bank of England) lagert und bei Bedarf an die Märkte verliehen werden kann.
Dieses System existiert für Silber nicht, daher ist jeder Händler auf sich allein gestellt. Silber ist jedoch im Vergleich zu Gold pro Unze günstig und daher für Privatanleger deutlich einfacher zu erwerben, wenngleich auch riskanter. Für diese Anleger spielt das aber keine Rolle.
Unterdessen stiegen die Bestände physischer, silbergedeckter ETFs allein im November um 15,7 Millionen Unzen. In neun der letzten elf Monate legten sie zu. Dies sind aktive Wetten auf ein weiterhin knappes Angebot und anhaltend hohe Preise. Doch nicht nur ETFs boomen. Auch der Optionsmarkt ist stark vertreten.
Jonathan Krinsky, Chefmarkttechniker bei BTIG, wies darauf hin, dass der iShares Silver Trust (SLV), der die Wertentwicklung des Edelmetalls trac, in der vergangenen Woche drei Tage in Folge um mindestens 2,5 % zulegte. „Das ist in der Geschichte des ETFs (seit 2006) erst fünfmal vorgekommen. Vier dieser fünf Male ereigneten sich entweder genau zum Zeitpunkt oder kurz vor einem wichtigen Höchststand des SLV“, sagte er.
Die Silberpreisdifferenz (ein Maß für die Nachfrage nach Call-Optionen im Vergleich zu Put-Optionen) stieg innerhalb von zwei Wochen um 8 Punkte auf 10 Prozentpunkte – der höchste Wert seit März 2022. Das bedeutet auch, dass Wetten auf steigende Kurse deutlich teurer geworden sind. Man darf gespannt sein, wie sich das entwickeln wird.
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