Indiens Wirtschaftsboom stemmt sich vergeblich gegen die fallende Rupie – Währungsdrama trotz Wachstum

Die indische Wirtschaft brummt, doch die Rupie stürzt ab – ein Paradox, das selbst die optimistischsten Analysten verstummen lässt.
Während das BIP Rekorde knackt, zeigt die Währung die neunte monatliche Talfahrt in Folge. Ein klassischer Fall von 'wachsen, aber nicht gedeihen'.
Banker flüstern bereits von Notfallmaßnahmen, während Crypto-Investoren das Fiasko als weiteres Argument für Bitcoin & Co. nutzen. Denn wer braucht schon Zentralbanken, wenn die Algorithmen stabiler regieren?
Kein offizielles Ziel, aber jede Menge Action
Die indische Zentralbank (RBI) gibt an, keinen bestimmten Wechselkurs anzustreben. Ihre ständigen Maßnahmen zur Begrenzung von Kursgewinnen und -verlusten erfolgten jedoch genau zu dem Zeitpunkt, als die implizite Dreimonatsvolatilität der Währung auf rund 3,4 Prozent sank. Das ist fast die Hälfte des Höchststandes im Mai.
Madhavankutty G ist Chefökonom der Canara Bank. Er erklärt : „Die RBI mag keine Volatilität, egal in welche Richtung. Sie hat deutlich gemacht, dass eine übermäßige Aufwertung die Margen der Exporteure schmälern könnte … daher wird sie versuchen, die Bewegungen in beide Richtungen zu glätten.“
Indien verfügt weiterhin über enorme Devisenreserven. Diese dienen als Sicherheitsnetz. Daten der indischen Zentralbank (RBI) zeigen, dass die Reserven bis zum 24. Oktober um 6,92 Milliarden US-Dollar auf 695,36 Milliarden US-Dollar gesunken sind.
Die jüngsten Gegenmaßnahmen scheinen darauf abzuzielen, den zunehmend pessimistischen Einschätzungen des Rupienkurses entgegenzuwirken. Analysten warnen jedoch, dass anhaltende massive Interventionen ausländische Investoren langfristig abschrecken könnten.
Investoren halten sich trotz Wachstum fern
Bhansali von Finrex bringt es auf den Punkt: „Die Lage wird sich erst verbessern, wenn ausländische Investoren an die Erfolgsgeschichte Indiens glauben, was sie trotz unseres hervorragenden BIP-Wachstums immer noch nicht tun.“
Und diese BIP-Zahl ist tatsächlich ziemlich beeindruckend. Asiens drittgrößte Volkswirtschaft wuchs zwischen April und Juni umtron7,8 Prozent. Das Problem ist nur: Ökonomen bezweifeln, dass dieses Tempo anhalten wird.
Das größere Problem? Ausländische Investoren haben in diesem Jahr rund 17 Milliarden US-Dollar aus Aktien und fast 1 Milliarde US-Dollar aus Anleihen im Rahmen des freiwilligen Rückbehaltungsprogramms abgezogen. Dieses Programm ist speziell darauf ausgelegt, langfristiges ausländisches cash in den Anleihenmarkt zu lenken.
Die Prognosen der Umfrage sind nicht gerade vielversprechend. Der Rupienkurs soll lediglich um 0,4 Prozent steigen und bis Ende Januar 88,25 US-Dollar erreichen. Für Ende April wird ein Anstieg auf 88,08 US-Dollar und in einem Jahr auf 88,50 US-Dollar prognostiziert.
Devisenanalysten waren in der Regel über alle Zeithorizonte hinweg optimistisch hinsichtlich des Rupienkurses. Regionale Währungsschwankungen wirken sich jedoch weiterhin negativ aus, insbesondere da der Dollar weltweittronbleibt.
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