Deutschland drängt auf digitale EU-Infrastruktur - aber ohne kompletten Technologie-Bruch mit den USA

Europa steht am Scheideweg der digitalen Souveränität
Berlin setzt klare Prioritäten
Deutsche Regierungsvertreter fordern den Aufbau robuster digitaler Infrastrukturen innerhalb der EU - doch anders als manche Hardliner plädieren sie nicht für einen radikalen Technologie-Ausstieg gegenüber amerikanischen Lösungen. Statt kompletter Abkopplung geht es um strategische Ergänzung.Digitale Souveränität meets Realpolitik
Während Brüssel über regulatorische Grenzen nachdenkt, positioniert sich Deutschland als pragmatischer Vermittler. Man wolle weder in totale Abhängigkeit rutschen noch sich komplett abschotten - eine Gratwanderung, die europäische Tech-Unternehmen vor enorme Herausforderungen stellt.Infrastruktur first, Ideologie second
Der Fokus liegt auf praktikablen Lösungen: Cloud-Kapazitäten, Datenverbünde und Zahlungssysteme, die europäischen Standards entsprechen, ohne bestehende globale Verflechtungen zu ignorieren. Ein diplomatischer Balanceakt zwischen technologischer Unabhängigkeit und wirtschaftlicher Vernunft.Und die Banker? Die rechnen bereits die Fördergelder zusammen - Hauptsache, die Compliance stimmt.
Deutschland fordert echte Kontrolle über Daten und Infrastruktur
Wildberger sagte, dass Deutschland und Europa bereits beeindruckende Akteure auf diesem Gebiet hervorgebracht hätten und nannte Mistral AI, DeepL und Aleph Alpha als Beweis dafür, dass der Kontinent global wettbewerbsfähig sei.
Der deutsche Abgeordnete räumte jedoch ein, dass die USA in mehreren Kernbereichen, insbesondere bei der künstlichen Intelligenz, nach wie vor führend seien und eine Zusammenarbeit weiterhin notwendig sei. „Digitale Souveränität bedeutet nicht Protektionismus“, sagte er. „Wir wollen und müssen für den Weltmarkt zugänglich sein.“
Auf die Befürchtungen angesprochen, Trump könne die transatlantischen Partnerschaften stören, spielte Wildberger diese herunter. „Selbstverständlich sind auch US-Unternehmen weiterhin daran interessiert, im Ausland Geschäfte zu machen“, sagte er, fügte aber hinzu, deutsche Firmen müssten die Wahl haben, mit wem sie zusammenarbeiten, wo sie ihre Daten speichern und wer ihre digitale Infrastruktur betreibt.
Für Wildberger bedeutet digitale Souveränität angeblich, die gesamte Lieferkette zu überdenken, von seltenen Erden und Chipdesign bis hin zu Servern und Unterseekabeln, die das moderne Internet ermöglichen.
Europa stützt sich trotz neuer Richtlinien weiterhin auf US-Hyperscaler
Auf dem Forrester Technology & Innovation Summit EMEA in London prognostizierte Forrester, dass Europa seine Bemühungen verstärken werde, die Abhängigkeit von globalen Anbietern zu verringern und mehr Kontrolle über seinen Technologie-Stack zu erlangen. Trotz aller Bemühungen wird sich bis 2026 kein europäisches Unternehmen vollständig von US-Hyperscalern wie Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure oder Google Cloud lösen können.
Analysten führen diese anhaltende Abhängigkeit auf geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Instabilität und strenge neue Gesetze wie den European Green Deal und den EU AI Act zurück, die beide den experimentellen, risikoreichen Einsatz von Technologien einschränken. Diese Bedingungen, so die Analysten, würden europäische Unternehmen dazu zwingen, weiterhin mit amerikanischen Cloud-Anbietern zusammenzuarbeiten, die den Markt bereits dominieren.
Derselbe Bericht besagt, dass sich die Nutzung generativer KI durch Verbraucher in Europa bis 2026 verdoppeln wird. Die Einführung in Unternehmen wird jedoch aufgrund strengerer Vorschriften und weniger entwickelter KI-Ökosysteme immer noch weit hinter der in den USA zurückbleiben. In Großbritannien hingegen wird aufgrund weniger strengerer Vorschriften und geringerer Sprachbarrieren ein schnellerer Fortschritt erwartet.
Die Studie prognostizierte außerdem, dass die Verteidigungsausgaben der EU zu einer Erhöhung der Technologiebudgets für die öffentliche Infrastruktur um 20 Prozent führen würden. Dies geschah, nachdem sich die NATO-Mitglieder im Juni 2025 darauf geeinigt hatten, die Verteidigungsausgaben auf 5 Prozent des BIP anzuheben, wobei 1,5 Prozent davon für die „unterstützende Infrastruktur“ vorgesehen sein sollen.
Schließlich warnte der Bericht, dass die britische KI-Politik nach hinten losgehen könnte. Die Begeisterung der britischen Regierung für US-Technologieunternehmen wie Anthropic und OpenAI, ihre Weigerung, globale KI-Governance-Vereinbarungen zu unterzeichnen, und ihr Mangel an verbindlichen Vorschriften könnten das Vertrauen der Öffentlichkeit untergraben, selbst wenn die Produktivität steigt.
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