Nvidia-Quartalszahlen heute Abend: Der entscheidende Moment für die KI-Rally – wie sollten Anleger handeln?

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Dass Nvidia die Erwartungen in diesem Quartal übertrifft, ist bereits das vom Markt vorausgesetzte Szenario. Ob die Aktie steigen kann, hängt davon ab, ob das Management gleichzeitig drei positive Signale liefern kann: verbesserte Profitabilität der Cloud-Anbieter, beherrschbare Finanzierungsrisiken und umfangreiche Kapitalrückflüsse. Für Anleger, die auf den KI-Trend setzen, bieten relativ günstige Optionen ein asymmetrisches Einstiegsfenster. Die tiefere Handelslogik liegt darin, ob die Rubin-Plattform die nächste Wachstumskurve auf höherer Basis eröffnen kann und ob die Kontroverse um zirkuläre Finanzierung geklärt werden kann – davon hängt ab, ob das Bewertungsnarrativ vollzogen werden kann.

Die Quartalszahlen von Nvidia dürften erneut stark ausfallen, doch die Frage des Marktes ist nicht mehr, ob die Erwartungen übertroffen werden, sondern ob nach der Übertreffung ausreichende Antworten geliefert werden. Von der Optionspreisbildung bis zur Divergenz unter Institutionen, von der Kontroverse um zirkuläre Finanzierung bis zum Engpass bei der Stromversorgung – dieser Bericht wird zum Prüfstein dafür, ob die KI-Rally in die nächste Phase eintreten kann.

Am Mittwoch nach US-Börsenschluss wird Nvidia die Ergebnisse für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 veröffentlichen. Die Wall Street erwartet im Konsens einen Quartalsumsatz von rund 92 Milliarden US-Dollar, nahezu eine Verdoppelung im Jahresvergleich; der bereinigte Gewinn je Aktie wird auf 2,09 US-Dollar geschätzt, der Umsatz im Datacenter-Segment auf rund 85,4 Milliarden US-Dollar. Jefferies erwartet einen Umsatz über dem Konsens von 95 Milliarden US-Dollar; auch Citi hat die Prognose angehoben und das Kursziel von 300 US-Dollar bestätigt. Goldman Sachs warnt jedoch, dass die Aktie im August bereits um mehr als 12 % gestiegen ist und „ein Übertreffen der Erwartungen plus angehobene Prognose“ nicht ausreicht, um die Aktie weiter nach oben zu treiben – es bedarf gleichzeitig verbesserter Profitabilität der Hyperscaler, beherrschbarer Kundenfinanzierung und umfangreicher Kapitalrückflüsse.

Die Preisbildung am Optionsmarkt bestätigt diese Vorsicht. Laut ORATS-Daten liegt die implizite Volatilität vor dem Nvidia-Bericht bei etwa 5,4 % – der niedrigste Wert seit August 2021 und deutlich unter dem historischen Durchschnitt von 7,4 % der letzten zwölf Quartale.

ORATS-Gründer Matt Amberson weist darauf hin, dass die tatsächliche Aktienbewegung in den letzten acht Berichten jeweils geringer war als die implizite Volatilität: „Optionskäufer haben für dieses Ereignis durchweg zu hohe Prämien gezahlt, und die Preise beginnen sich zu korrigieren.“ Das bedeutet, dass für Anleger, die auf den KI-Trend setzen, relativ günstige Optionen ein asymmetrisches Einstiegsfenster bieten; wenn das Management jedoch die langfristigen Fragen, die den Markt wirklich beschäftigen, nicht beantworten kann, könnte auch die Erwartung niedriger Volatilität durchbrochen werden.

 

Divergenz bei den Ergebniserwartungen: Bullen und Bären haben beide Argumente

Die Sell-Side-Institute sind für das laufende Quartal überwiegend optimistisch, doch die Meinungsverschiedenheiten konzentrieren sich auf den Aktienkursverlauf nach der Veröffentlichung.

Jefferies erwartet für das Juli-Quartal einen Umsatz von 95 Milliarden US-Dollar und für das Oktober-Quartal eine Prognose von rund 108 Milliarden US-Dollar – beides über dem Marktkonsens von etwa 91,9 bzw. 103,7 Milliarden US-Dollar. Morgan Stanley ist konservativer und rechnet mit rund 91,2 Milliarden US-Dollar im Juli-Quartal und 102,3 Milliarden US-Dollar im Oktober-Quartal, geht aber davon aus, dass der Quartalsumsatz weiterhin um etwa 10 Milliarden US-Dollar gegenüber dem Vorquartal steigen kann. Citi bestätigt die Kaufempfehlung und das Kursziel von 300 US-Dollar und weist darauf hin, dass Nvidia die HBM-Speicherversorgung für 2026 bis 2027 bereits gesichert hat, was eine stabile Lieferung gewährleistet.

Morgan Stanley behält das Rating „Overweight“ und den Status als Top Pick bei, mit einem Kursziel von 288 US-Dollar, und stellt fest, dass das aktuelle KGV von etwa 17 auf Basis des Geschäftsjahres 2028 im Vergleich zur eigenen Historie, zu Halbleiter-Konkurrenten und zum Gesamtmarkt nicht teuer ist. Gleichzeitig betont die Bank, dass die Aktie in den vergangenen vier Quartalen trotz starker Ergebnisse am Folgetag jeweils negativ reagiert hat – der Markt hat das Übertreffen der Erwartungen bereits als voreingestelltes Szenario verinnerlicht.

Prognosemarktdaten spiegeln diese Spaltung ebenfalls wider: Die Wahrscheinlichkeit, dass Nvidia die Erwartungen übertrifft, wird mit 96 % angegeben, aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktie nach dem Bericht über 220 US-Dollar schließt, liegt nur bei 43 %.

 

Rubin-Zyklus: Das Schlüsselwort für das nächste Bewertungsnarrativ

Kurzfristig bleibt die Nachfrage nach Blackwell stark. Verbesserungen im Cloud-Geschäft von Microsoft und Amazon sowie langfristige Zusagen von OpenAI und SpaceX für Rechenkapazität stützen weiterhin das Vertrauen in den Datacenter-Umsatz. Doch der Markt richtet den Blick bereits weiter in die Zukunft – ob die Rubin-Plattform die nächste Wachstumskurve auf höherer Basis eröffnen kann, wird das Kernthema der Telefonkonferenz sein.

Jefferies geht davon aus, dass der Hochlauf von Rubin deutlich schneller erfolgen könnte als der anfängliche Hochlauf von Blackwell. Der entscheidende Grund: Rubin behält das 72-GPU-Oberon-NVL72-Rack-Design bei und kann die bei GB200 und GB300 aufgebaute Flüssigkühlungs-Infrastruktur und Fertigungsbasis wiederverwenden. Das neue Design reduziert zudem manuelle Verkabelung und Rohrinstallation erheblich; das Management hatte zuvor erwähnt, dass die Montagezeit für Compute-Trays von etwa 2 Stunden auf 5 Minuten sinken könnte. Die Bedeutung dahinter: Nvidia wandelt KI-Chips in replizierbare, skalierbar lieferbare „KI-Fabriksysteme“ um.

Jefferies erwartet, dass Rubin/R200 im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2027 etwa 12 % des GPU-Umsatzes von Nvidia ausmachen wird, im vierten Quartal auf über 40 % steigt und im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2028 zur dominierenden Einnahmequelle wird. Wenn sich dieser Zeitplan bestätigt, wird sich die Bewertungslogik des Marktes von „Wie lange hält der Blackwell-Zyklus noch an?“ zu „Kann Rubin ein noch größeres Wachstum eröffnen?“ verschieben.

 

Zirkuläre Finanzierung: Die umstrittenste Grauzone

Der wahrscheinlichste Fokus des Marktes in diesem Bericht sind die zunehmend komplexen Finanzierungsvereinbarungen zwischen Nvidia und seinen Hyperscale-Kunden.

Laut Jefferies hat Nvidia eine Vereinbarung mit SB Energy getroffen, wonach SB Energy in Ohio den PORTS-Pike Technology Campus errichtet und betreibt und diesen im Rahmen eines 20-Jahres-Mietvertrags an OpenAI vermietet, wobei Nvidia als exklusiver Rechenleistungslieferant fungiert. Nvidia wird Kreditunterstützung für die ersten 4,25 GW IT-Kapazität bereitstellen und hält eine Option auf die verbleibenden 3,75 GW; gleichzeitig investiert Nvidia 1,5 Milliarden US-Dollar in SB Energy. Nvidia gibt an, dass jede Systemgeneration an diesem Standort etwa 1,5 Millionen GPUs entspricht und einen Umsatz von 150 bis 200 Milliarden US-Dollar generiert; die bestehenden und geplanten Zusagen von OpenAI belaufen sich auf insgesamt etwa 12 GW, erweiterbar auf 16 GW, was bis 2030 einem Nvidia-Rechenleistungseinkauf von rund 600 Milliarden US-Dollar entspricht.

Daten von Morgan Stanley zeigen jedoch, dass die fünf größten Hyperscale-Cloud-Anbieter zusammen mit Nvidia und Broadcom durch Garantien, Leasing und andere finanzielle Unterstützungsformen Verpflichtungen von über 3,1 Billionen US-Dollar eingegangen sind, um die KI-Infrastrukturausgaben anderer Unternehmen voranzutreiben. Dieses Modell der „zirkulären Lieferantenfinanzierung“ ist zu einem zentralen Thema geworden, das Institute wie Goldman Sachs kritisch hinterfragen: Wie viel dieser Nachfrage stammt aus eigenständigen Investitionsausgaben der Kunden, und wie viel muss Nvidia durch Kreditunterstützung oder Investitionen antreiben?

Morgan Stanley ist der Ansicht, dass Finanzierung, Marktanteil und Bruttomarge die drei wichtigsten Streitpunkte sind, die Anleger derzeit beschäftigen. Wenn das Management keine klaren Angaben zu Eventualverbindlichkeiten, Restwertgarantien und anderen Bilanzierungspunkten liefert, werden die Sorgen des Marktes über „Wachstum auf Kosten der Bilanz“ kaum verschwinden.

 

Bruttomarge und Strom: Zwei unsichtbare Drucklinien

Die Bruttomarge ist eine der zentralen Stützen der Bewertungsprämie von Nvidia.

Morgan Stanley erwartet, dass das Unternehmen die Formulierung „Mitte der 70er-Prozent“ für die Bruttomarge im Geschäftsjahr 2027 beibehält; der kurzfristige Druck ist beherrschbar. Doch der mittel- bis langfristige Druck ist nicht zu unterschätzen: Die Kosten für HBM, DRAM, Advanced Packaging, Substrate und Front-End-Wafer steigen weiter, und der Hochlauf neuer Produkte geht in der Regel mit Yield- und Lieferkettenanpassungen einher.

Morgan Stanley weist darauf hin, dass die Konsenserwartung einer deutlichen Erholung der Bruttomarge im zweiten Halbjahr des Geschäftsjahres 2028 möglicherweise etwas optimistisch ist. Darüber hinaus hat Nvidia große Kunden wie Microsoft, Google und Oracle darüber informiert, dass die Preise für Server mit Vera-Rubin- und Grace-Blackwell-Chips ab Anfang nächsten Jahres um mehr als 15 % steigen werden, wobei höhere HBM-Speicherkosten der Haupttreiber sind.

Auch die Stromversorgung wird zunehmend zu einer nicht zu ignorierenden Beschränkung.

Jefferies weist darauf hin, dass die Lücke zwischen der erwarteten Chipnachfrage und der Netzkapazität größer wird. Große Cloud-Anbieter kooperieren zunehmend mit Versorgungsunternehmen, um dedizierte Gaskraftwerke zu bauen, während führende KI-Labore häufiger „Behind-the-Meter“-Stromlösungen nutzen, um die zeitliche Lücke zwischen Netzanschluss und Rechenleistungsbereitstellung zu überbrücken. Gasturbinen, Notstromversorgung, Brennstoffzellen und andere Lösungen werden vorangetrieben, aber Lieferzeiten der Ausrüstung, Genehmigungsverfahren für den Netzanschluss und lokale Regulierungen beeinflussen den Baufortschritt von Rechenzentren. Das bedeutet, dass sich die Umwandlung von Aufträgen in Umsatz weniger linear gestalten wird.

 

Wettbewerbslandschaft: Strukturelle Risiken für den Marktanteil

Abseits des Makro-Narrativs sieht sich Nvidias Marktanteil von rund 90 % bei KI-Beschleunigern einem mehrfrontigen Angriff ausgesetzt. Cloud-Giganten wie Google und Meta beschleunigen die Entwicklung eigener KI-Chips; Berichten zufolge hat der von OpenAI und Broadcom gemeinsam entwickelte Inferenzchip „Jalapeño“ in einigen Benchmarks bereits Nvidia Blackwell übertroffen; aufstrebende Chipunternehmen wie Cerebras Systems sind in diesem Jahr an die Börse gegangen und kämpfen ebenfalls um Marktanteile.

Bespoke Investment Group stellt fest, dass sich die Aktienkursentwicklung von Nvidia deutlich vom Halbleitersektor entkoppelt hat: „In den letzten Monaten haben sich Halbleiteraktien mehrfach gegenläufig zu Nvidia bewegt.“ Der PHLX Semiconductor Index schwächelt seit seinem Hoch Ende Juni, und die vorangegangene siebentägige Verlustserie von Nvidia war die längste seit Beginn der aktuellen Rally im Oktober 2022.

Diese strukturellen Veränderungen in der Wettbewerbslandschaft könnten zu Risikovariablen werden, die über die Quartalszahlen hinausgehen und die langfristige Ertragsentwicklung von Nvidia stärker beeinflussen. Die Aussagen des Managements zur Wettbewerbssituation werden der Teil der Telefonkonferenz sein, den Anleger am wenigsten verpassen wollen.

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