China bereitet sich auf schwaches Q2 unter dem Druck der US-Handelskonflikte vor
Bislang hat die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt einen starken Abschwung vermieden, gestützt durch ein vorläufiges Handelsabkommen mit Washington und bestehende politische Maßnahmen. Dennoch ist die Stimmung unter den Anlegern für das zweite Halbjahr vorsichtig geworden.
Dies zeigt sich in schwachen Exporten, anhaltenden Preisrückgängen und gedämpfter Verbraucherstimmung.
Prognosen zufolge wird die Veröffentlichung am Dienstag um 2 Uhr GMT ein jährliches Wachstum von 5,1 % im zweiten Quartal zeigen, ein Rückgang gegenüber 5,4 % im ersten Quartal, so die aktuelle Reuters-Konsensschätzung.
„Obwohl das Wachstum bislang widerstandsfähig war, erwarten wir eine Abschwächung in der zweiten Jahreshälfte aufgrund des Abflauens vorgezogener Exporte, anhaltender deflationärer Rückkopplungseffekte und der Auswirkungen von Zöllen auf direkte Exporte in die USA und den globalen Handelszyklus“, sagten Analysten von Morgan Stanley.
Sie fügten hinzu: „Das Wachstum im dritten Quartal könnte auf 4,5 Prozent oder darunter sinken, während das vierte Quartal mit einem ungünstigen Basiseffekt konfrontiert ist, was das Jahreswachstumsziel gefährdet.“
Peking könnte zusätzliche Ausgaben ankündigen
Morgan Stanley erwartet, dass Peking gegen Ende des dritten Quartals ein zusätzliches Fiskalpaket in Höhe von 500 Milliarden bis 1 Billion Yuan auflegen könnte.
Zollangaben für Juni zeigten eine Erholung der Einfuhren und einen leichten Anstieg der Ausfuhren, angetrieben durch eine Eile, die Frist für einen Zollwaffenstillstand mit den USA Anfang August zu nutzen. Andere Kennzahlen für Juni, wie die Fabrikaktivität und die Verbraucherausgaben, werden voraussichtlich weiter nachlassen.
Vierteljährlich wird das BIP im zweiten Quartal voraussichtlich um 0,9 % gestiegen sein, nach einem Anstieg von 1,2 % im ersten Quartal, so die Reuters-Umfrage. Darüber hinaus erwarten Analysten, dass das Wachstum 2025 auf etwa 4,6 % moderieren und damit hinter den offiziellen Zielen zurückbleiben wird, bevor es 2026 auf rund 4,2 % sinkt.
Die Anlegen richten ihren Blick auf die Sitzung des Politbüros Ende Juli, wo sie Hinweise auf künftige politische Maßnahmen und mögliche neue Wirtschaftshilfen erwarten.
Laut der Umfrage rechnen Experten im vierten Quartal mit einer Senkung des Sieben-Tage-Repo-Satzes der chinesischen Zentralbank um 10 Basispunkte und einer ähnlichen Senkung des Loan Prime Rate.
Arbeitsmarkt macht Produktionskürzungen riskant
Bisher haben die Behörden die Finanzierung öffentlicher Arbeiten verstärkt und Haushaltsförderprogramme ausgeweitet, während die Zentralbank im Mai die Kreditkosten senkte und Liquidität bereitstellte, um handelsbedingte Gegenwinde abzufedern.
Experten warnen jedoch, dass diese Maßnahmen möglicherweise nicht ausreichen, um die anhaltenden Preisrückgänge zu stoppen. Der Erzeugerpreisindex im Juni verzeichnete den stärksten Rückgang seit etwa zwei Jahren, was die anhaltenden deflationären Tendenzen unterstreicht.
Beobachter erwarten, dass die Behörden die Überproduktion in Fabriken weiter reduzieren und nach neuen Wegen suchen werden, um die Binnennachfrage zu fördern.
Analysten zufolge ist es schwierig, die Überproduktion zu verringern, ohne größere Entlassungen auf einem schwächelnden Arbeitsmarkt auszulösen.
Übersetzt von Sh1b4rmy