Frankreichs umstrittene Krypto-Steuer: Ab 2026 droht eine 1%-Abgabe auf Vermögen über 2 Millionen Euro
- Was hat die französische Nationalversammlung genau beschlossen?
- Warum löste die Entscheidung eine Welle der Empörung aus?
- Wie positioniert sich Frankreich im internationalen Vergleich?
- Häufig gestellte Fragen
Die Nationalversammlung hat mit knapper Mehrheit eine neue Steuer auf Kryptowährungen beschlossen. Bitcoin, Ethereum & Co. werden künftig als "unproduktive Vermögenswerte" eingestuft – genau wie Yachten oder Goldbarren. Nur die wenigsten Investoren dürften betroffen sein, doch die Symbolwirkung ist enorm. Wir analysieren, was hinter der Entscheidung steckt und warum die Branche Alarm schlägt.

Was hat die französische Nationalversammlung genau beschlossen?
In einer denkwürdigen Abstimmung am vergangenen Freitag stimmten 163 Abgeordnete für einen Gesetzesentwurf, der Kryptowährungen in die Kategorie der "unproduktiven Vermögenswerte" einordnet. Die Gegenstimmen beliefen sich auf 150. Konkret bedeutet das: AB Januar 2026 sollen digitale Vermögen über 2 Millionen Euro mit einer pauschalen Steuer von 1% belegt werden. Bisher wurden in Frankreich nur realisierte Gewinne beim Verkauf besteuert – die reine Haltung blieb steuerfrei.
Jean-Paul Matteï, der centristische Abgeordnete hinter dem Vorstoß, argumentiert mit wirtschaftlicher Logik: "Es ist nicht nachvollziehbar, warum spekulative digitale Assets steuerlich besser behandelt werden sollten als produktive Investitionen in die Realwirtschaft." Die Regelung betrifft übrigens nicht nur Kryptos, sondern auch Gold, Kunstwerke und Luxusgüter. Interessanterweise schlossen sich bei der Abstimmung linke und rechte Abgeordnete zusammen – ein seltenes Phänomen in der polarisierten französischen Politiklandschaft.
Warum löste die Entscheidung eine Welle der Empörung aus?
Éric Larchevêque, Mitgründer des französischen Krypto-Hardware-Wallet-Herstellers Ledger, spricht von einem "ideologischen Fehlgriff mit Signalwirkung". Auf Twitter warnte er: "Hier geht es nicht um Steuergerechtigkeit, sondern um die Bestrafung alternativer Wertaufbewahrungsmittel." Tatsächlich befürchten Experten mehrere Dominoeffekte:
- Liquidationsdruck: Viele Halter haben den Großteil ihres Vermögens in illiquiden Krypto-Assets gebunden. Die jährliche Steuer könnte Zwangsverkäufe auslösen.
- Schwellenwert-Falle: Derzeit gilt die 2-Millionen-Grenze – doch wer garantiert, dass diese nicht bald gesenkt wird?
- Technische Hürden: Wie will der Fiskus dezentral verwahrte Wallets oder Cold-Storage-Bestände überhaupt erfassen?
Besonders pikant: Parallel diskutiert Frankreich über den Aufbau einer nationalen Bitcoin-Reserve. Ein widersprüchliches Doppelspiel, das tiefe Gräben in der Politik offenbart.
Wie positioniert sich Frankreich im internationalen Vergleich?
Während die USA mit dem Bitcoin-ETF und progressiven Regulierungen Krypto-Innovationen fördern, scheint Paris den entgegengesetzten Weg einzuschlagen. Daten von CoinMarketCap zeigen: Frankreich verlor 2024 bereits Marktanteile an kryptofreundlichere Standorte wie Portugal oder die Schweiz.
Der BTCC-Marktanalyst kommentiert: "Juristische Klarheit ist wichtig – aber willkürliche Sondersteuern senden fatale Signale an Innovatoren." Tatsächlich könnten Blockchain-Startups nun vermehrt ins Ausland abwandern. Ein Blick auf TradingView-Charts verrät: Der französische Kryptomarkt reagierte unmittelbar mit erhöhter Volatilität auf die Nachricht.
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.
Häufig gestellte Fragen
Ab wann gilt die neue Krypto-Steuer in Frankreich?
Voraussichtlich ab Januar 2026, sofern der Senat den Entwurf bestätigt. Der parlamentarische Prozess könnte sich jedoch noch verzögern.
Müssen kleine Anleger jetzt Steuern zahlen?
Nein, die Regelung betrifft ausschließlich Portfolios über 2 Millionen Euro. Für den Durchschnittsanleger ändert sich zunächst nichts.
Wie wirkt sich die Steuer auf den Kryptomarkt aus?
Experten erwarten kurzfristig Verunsicherung, besonders bei Großinvestoren. Langfristig könnte Frankreich als Standort an Attraktivität verlieren.