Konflikt im Nahen Osten stört globale Halbleiter-Lieferketten: Höhere Kosten und Lieferverzögerungen in Europa
- Wie beeinflusst der Krieg die Frachtkapazitäten und Lieferzeiten?
- Welche Rolle spielen Helium und petrochemische Produkte?
- Wie reagieren die Märkte auf die Krise?
- Fragen und Antworten zur Krise
Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten hat massive Auswirkungen auf die globalen Lieferketten für Halbleiter. Seit dem Kriegsausbruch am 28. Februar 2026 haben Angriffe auf Schiffe und Flughäfen die Frachtplanung erheblich erschwert. Die weltweite Luftfrachtkapazität ist laut DSV um etwa 9 % im Vergleich zum Vorkriegsniveau gesunken. Europäische Käufer greifen bereits auf ihre Reserven zurück, um die Produktion aufrechtzuerhalten. Einige reduzieren sogar ihre Chip-Bestellungen aus Asien, da der verfügbare Frachtraum begrenzt ist. Die bisher üblichen Flugrouten über den Nahen Osten sind aufgrund der Angriffe auf Infrastrukturen wie Flughäfen stark gefährdet.
Wie beeinflusst der Krieg die Frachtkapazitäten und Lieferzeiten?
Die eingeschränkten Transportmöglichkeiten führen zu höheren Preisen und längeren Lieferzeiten. Razat Gaurav, CEO von Kinaxis, betont, dass bereits Chip-Fabriken, Automobilhersteller und Zulieferer in Europa Verzögerungen bei Halbleiterlieferungen verzeichnen. Unternehmen haben zwar größere Lagerbestände als während der Chip-Knappheit durch COVID-19, doch die Situation bleibt angespannt. Südkorea, das stark auf den Nahen Osten für Rohstoffe wie Brom und Inspektionsgeräte angewiesen ist, importiert zudem 70 % seines Öls aus der Region. Steigende Ölpreise könnten auch die Stromkosten in die Höhe treiben.
Welche Rolle spielen Helium und petrochemische Produkte?
Helium, ein kritischer Rohstoff für die Halbleiterindustrie, wird zu über einem Drittel im Nahen Osten produziert – vor allem in Katar. SK Hynix hat zwar seine Lieferketten diversifiziert, doch die allgemeine Versorgungslage bleibt fragil. Petrochemische Produkte, die für Leiterplatten und Chip-Herstellung benötigt werden, stehen ebenfalls unter Druck. Die jüngsten Angriffe auf Ras Laffan, ein industrielles Zentrum Katars, haben zudem die Ölpreise weiter ansteigen lassen und die Stimmung an den asiatischen Technologiemärkten getrübt.
Wie reagieren die Märkte auf die Krise?
Die Aktienkurse führender Technologieunternehmen sind eingebrochen: SK Hynix verlor 2,23 %, Samsung 1,8 % und TSMC 2,1 %. In China stürzten MiniMax (-10 %) und Knowledge Atlas Technology (-8 %) ab, trotz anfänglicher Euphorie über KI-Entwicklungen. Auch Alibaba (-3,34 %) und Tencent (-6 %) in Hongkong spürten die Auswirkungen. Die BTCC-Analysten weisen darauf hin, dass langfristige Kampfhandlungen die Transportwege weiter verknappen und die Logistikkosten zusätzlich erhöhen könnten.
Fragen und Antworten zur Krise
Welche Auswirkungen hat der Konflikt auf die europäische Halbleiterindustrie?
Europäische Unternehmen nutzen bereits Reserven, um Produktionsausfälle zu vermeiden. Dennoch kommt es zu Lieferverzögerungen und Preisanstiegen, besonders bei Chips aus Asien.
Wie lange reichen die Lagerbestände?
Laut Kinaxis variiert dies je nach Branche – von einer Woche bis zu mehreren Monaten. Die meisten Unternehmen sind jedoch besser vorbereitet als während der COVID-19-Pandemie.
Warum ist Helium so wichtig für die Chip-Herstellung?
Helium wird für Kühlprozesse in der Halbleiterfertigung benötigt. Katar ist einer der größten Produzenten, was die Abhängigkeit vom Nahen Osten unterstreicht.