TSMC trotzt Kundenforderungen: Warum der Chip-Riese den KI-Boom nicht überstürzt bedient

Die Halbleiterbranche brennt für KI – doch TSMC bremst. Während Nvidia, AMD und Co. nach mehr Produktionskapazitäten schreien, verweigert sich der taiwanesische Gigant dem Hype-Tempo. Ein strategisches Poker um langfristige Marktkontrolle oder schlichte Kapazitätsgrenzen?
Subheader: Warum 'langsam' das neue 'schnell' sein könnte
TSMC-Chef C.C. Wei betont seit Monaten: Qualität und Stabilität gehen vor. Die 3-nm-Fabriken laufen bereits am Limit – trotz Rekordgewinnen von 28,9 Mrd. USD im letzten Quartal. Analysten flüstern: Hinter der Zurückhaltung steckt Kalkül. Wer heute jede Kapazität ausreizt, hat morgen keine Preisspielräume mehr.
Subheader: Die Achillesferse der KI-Revolution
Jeder zweite KI-Chip entsteht in Hsinchu. Diese Abhängigkeit treibt Tech-CEOs in den Wahnsinn. 'Die wollen uns melken wie eine Cash Cow', raunt ein Big-Tech-Manager unter vier Augen. Gleichzeitig häufen sich die Blackout-Berichte aus Arizona – das US-Expansionsprojekt hinkt Monate hinterher.
Provokanter Closer: Vielleicht sollte die Wall Street mal einsehen, dass nicht jeder Quartalsbericht eine Wachstumsrakete braucht. Manchmal ist kontrolliertes Brennen der cleverere Weg – besonders wenn man das einzige Streichholz in der Wüste besitzt.
Die Ausgaben von TSMC steigen, aber nicht schnell genug.
Der Hersteller reagiert, allerdings nicht so schnell, wie es sich die Kunden wünschen. Die geplanten Investitionen in neue Anlagen und Ausrüstungen belaufen sich in diesem Jahr auf rund 41 Milliarden US-Dollar, wobei über zwei Drittel in die von KI-Unternehmen benötigten hochentwickelten Chips fließen. Dies entspricht einem Anstieg gegenüber den 30 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Branchenanalysten prognostizieren laut Economic Times einen Anstieg der Investitionen auf 52 Milliarden US-Dollar bis 2027.
Im Verhältnis zum Unternehmenseinkommen die Infrastrukturinvestitionen von TSMC tatsächlich zurückgegangen und werden Prognosen zufolge in den kommenden Jahren weiter sinken, trotz zunehmender Beschwerden der Kunden.
Chipdesignern bleiben neben TSMC nur wenige Alternativen. Intel, einst Marktführer in der Chipfertigung, hat bei der Entwicklung modernster Prozessoren an Boden verloren. Samsung ist die einzige ernstzunehmende Alternative, kämpft aber selbst mit Problemen. Tesla unterzeichnete im Juli letzten Jahres einen Vertrag über 16,5 Milliarden US-Dollar mit dem südkoreanischen Elektronikkonzern, Tron ab dem nächsten Jahr KI-Chips in Texas zu produzieren. Berichten zufolge hinkt das Projekt jedoch hinter dem Zeitplan her.
Taiwans Fertigungsriese ist derzeit mit Aufträgen überhäuft. Warnzeichen mehren sich. Letzten Monat räumte , dass die Kapazitäten für KI-Produkte „sehr knapp“ seien und die Firma „mit Hochdruck“ daran arbeite, die Engpässe zu beheben. Gleichzeitig wächst der Auftragseingang weiter. Die Investmentbank Jefferies prognostiziert, dass Nvidia im nächsten Jahr 6,3 Millionen KI-Chips erhalten wird, was einem Anstieg von 23 % gegenüber dem laufenden Jahr entspricht.
Broadcom, ein Chiphersteller für Cloud-Computing-Unternehmen wie Google und Meta, wird voraussichtlich 5,4 Millionen Einheiten benötigen, was einem Anstieg von 29 % entspricht. Analysten von JPMorgan Chase gehen davon aus, dass die beiden fortschrittlichsten Chipvarianten von TSMC noch jahrelang voll ausgelastet sein werden.
Die Produktionssteigerung erfordert jedoch erhebliche finanzielle und zeitliche Mittel. Eine hochmoderne Produktionsanlage kostet rund 20 Milliarden US-Dollar und benötigt drei bis vier Jahre Bauzeit. Der Bau in Amerika treibt die Kosten zusätzlich in die Höhe. TSMC hat sich verpflichtet, sechs neue, hochmoderne Fabriken in den Vereinigten Staaten zu errichten, deren Gesamtkosten sich auf fast 165 Milliarden US-Dollar belaufen. Aufgrund der schwierigen Lage des amerikanischen Bausektors sind diese Werke deutlich teurer als vergleichbare Anlagen in Taiwan und benötigen zudem eine längere Bauzeit.
Die Kunden wollen mehr, sind aber nicht bereit, im Voraus zu zahlen.
Die Kapazitätserweiterung birgt auch Risiken für TSMC, was das vorsichtige Vorgehen erklärt. Die Halbleiterindustrie hat in der Vergangenheit schmerzhafte Zyklen erlebt, in denen Angebotsengpässe zu Überkapazitäten führten. Hersteller expandieren in guten Zeiten häufig aggressiv, nur um dann auf ungenutzten Fabriken sitzen zu bleiben, wenn die Aufträge schließlich zurückgehen.
Daniel Wu vom Hedgefonds Bristlemoon Capital weist darauf hin, dass TSMC während der Pandemie die Investitionen erhöht hat, um Engpässe bei einfacheren Chips zu beheben.
Die Produktionskapazitäten für diese Prozessoren sind derzeit nicht voll ausgelastet. Das Unternehmen möchte diesen Fehler vermutlich nicht wiederholen. Möglicherweise befürchtet es auch, dass der Markt für KI-Chips in ein Überangebot münden könnte, falls Intel und Samsung ihre Produktionsprobleme endlich beheben.
Unternehmen, die mehr Kapazität benötigen, zahlen erst, wenn TSMC diese tatsächlich errichtet hat. Wu merkt jedoch an, dass TSMC, wenn das Unternehmen 80 bis 100 Milliarden US-Dollar über zwei Jahre investiert und der KI-Boom dann abebbt, jahrelang mit ungenutzten Fabriken konfrontiert sein würde. Diese Vorsicht mag Kunden verärgern. Sie sollten aber nicht erwarten, dass TSMC seinen Kurs ändert.
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