Südkoreas Jugend sieht Krypto als letzte Chance
Während die Akzeptanz von Kryptowährungen in Südkorea rasant steigt, scheint der Anstieg unter jungen Menschen weniger vom Glauben an die Blockchain als vielmehr von wachsender wirtschaftlicher Not getrieben zu sein. Ende März waren mehr als 16 Millionen Südkoreaner – über 30% der Bevölkerung – Nutzer auf Krypto-Börsen, eine Zahl, die teilweise auf die Marktoptimismus nach dem Wahlsieg von Donald TRUMP bei den US-Wahlen im November zurückzuführen ist.
Laut Eli Ilha Yune, Chief Product Officer beim Quanten-KI-Startup Anzaetek, wird dieser Anstieg jedoch nicht unbedingt von Begeisterung für Web3 angetrieben. Während des „Asia Insights“-Panels auf der German Blockchain Week wies Yune darauf hin, dass viele junge Koreaner aus Notwendigkeit und nicht aus Leidenschaft zu Krypto greifen. Er sagte: „Die Motivation kommt nicht wie im Westen aus einem Glauben an Web3, sondern aus finanzieller Verzweiflung und der Hoffnung auf schnelle Gewinne.“
Yunes Aussagen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem der neu gewählte Präsident Lee Jae-myung Pläne vorantreibt, digitale Assets in das Finanzsystem Südkoreas zu integrieren. Dazu gehören Unterstützung für den institutionellen Krypto-Gebrauch und ein potenzieller, von der Zentralbank gestützter Stablecoin auf Basis des südkoreanischen Won.
Der wirtschaftliche Druck auf die Jugend Südkoreas ist enorm. Die Jugendarbeitslosigkeit (15–29 Jahre) lag im Mai bei 6,6%, mehr als doppelt so hoch wie der nationale Durchschnitt. Explodierende Immobilienpreise haben die finanziellen Möglichkeiten weiter eingeschränkt. Der Medianpreis für eine Wohnung in Seoul liegt mittlerweile bei über 1 Milliarde Won (689.000 US-Dollar), mit einem Preis-Einkommens-Verhältnis von 15,2 – was den Immobilienkauf für die meisten jungen Menschen unerreichbar macht.
Aktien, einst eine beliebte Anlageoption, gelten als wenig ertragreich. „Sie können sich keine Häuser leisten, die Mieten sind zu hoch, und Aktien werfen nicht genug ab“, sagte Yune. „Krypto fühlt sich wie die letzte Chance an.“
Der Korea Wealth Report 2025 bestätigt diesen Trend und zeigt, dass die „jungen Reichen“ des Landes dreimal mehr Krypto besitzen als ältere vermögende Privatpersonen. Doch Yune warnt, dass viele junge Trader sich nicht tiefgehend mit der Blockchain selbst beschäftigen. „Es gibt Ausnahmen, aber viele verstehen die Infrastruktur oder Technologie hinter ihren Investitionen nicht“, sagte er.
Letztlich zeigt der Krypto-Boom in Südkorea eine generationelle Krise auf, in der digitale Assets weniger als Innovation, sondern eher als wirtschaftliche Überlebensstrategie gesehen werden.

Übersetzt von CryptoH0und