Gabriel Makhlouf vom EZB-Rat: „Der Euro ist noch nicht bereit, den US-Dollar als globale Leitwährung abzulösen“
- Warum ist der Euro noch kein ernsthafter Herausforderer für den Dollar?
- Welche strukturellen Schwächen behindern den Euro?
- Wie positioniert sich der Euro aktuell im globalen Währungssystem?
- Was fordert Makhlouf für die Zukunft des Euro?
- Wie reagieren Märkte auf diese Einschätzung?
- Könnten Kryptowährungen diese Dynamik verändern?
- Was bedeutet dies für internationale Investoren?
- Wie geht es jetzt weiter?
- Häufig gestellte Fragen
Gabriel Makhlouf, Mitglied des EZB-Rats und Gouverneur der irischen Zentralbank, hat klargestellt, dass der Euro trotz seiner starken Position als zweitwichtigste Handelswährung der Welt noch nicht in der Lage ist, den US-Dollar als Anker des globalen Finanzsystems zu ersetzen. Bei einer Wirtschaftskonferenz in Aix-en-Provence betonte er die strukturellen Defizite der Eurozone und forderte tiefgreifendere europäische Integration.
Warum ist der Euro noch kein ernsthafter Herausforderer für den Dollar?
Makhlouf nannte fünf entscheidende Gründe: Erstens fehlt der Eurozone eine einheitliche fiskalische Autorität, die mit dem US-Finanzministerium vergleichbar wäre. Zweitens gibt es keinen gemeinsamen europäischen „Safe-Haven“-Vermögenswert ähnlich den US-Staatsanleihen. Drittens ist der europäische Kapitalmarkt fragmentierter als der amerikanische. Viertens behindert das Fehlen einer echten Bankenunion die Integration. Fünftens mangelt es an politischer Koordination in Krisenzeiten – anders als in den USA, wo Washington zentral steuern kann.
Welche strukturellen Schwächen behindern den Euro?
1. Fragmentierter Anleihenmarkt: Während die USA über einen einheitlichen Treasuries-Markt verfügen, gibt es in Europa 20 nationale Schuldenmärkte.
2. Fehlende gemeinsame Haushaltspolitik: Die USA können konjunkturelle Schocks zentral abfedern, Europa nicht.
3. Begrenzte Liquidität: Der Markt für Euro-Anleihen ist kleiner und weniger liquide als der für Dollar-Anleihen.
4. Juristische Barrieren: Grenzüberschreitende Investitionen sind in der EU noch immer kompliziert.
5. Sicherheitswahrnehmung: Internationale Investoren sehen US-Anlagen historisch bedingt als „sichereren Hafen“.
Wie positioniert sich der Euro aktuell im globalen Währungssystem?
Laut EZB-Statistiken ist der Euro mit 20% Anteil an globalen Devisenreserven die zweitwichtigste Reservewährung – aber weit hinter dem Dollar (58%). Im Welthandel werden etwa 36% der Transaktionen in Dollar abgewickelt, aber nur 22% in Euro. Interessanterweise nutzen Länder wie Russland und China den Euro vermehrt für Rohstoffhandel, was laut TradingView-Daten zu leichten Marktanteilsgewinnen führte.
Was fordert Makhlouf für die Zukunft des Euro?
Der EZB-Rat skizzierte drei Prioritäten: 1) Vollendung der Bankenunion mit europäischen Einlagensicherung, 2) Schaffung echter „Eurobonds“ als sichere Anlageklasse, 3) Vertiefung des Kapitalmarktunion. „Wir müssen die aktuelle geopolitische Unsicherheit als Chance nutzen“, so Makhlouf. Er verwies auf den Erfolg des gemeinsamen EU-Corona-Wiederaufbaufonds als Blaupause für künftige Integration.
Wie reagieren Märkte auf diese Einschätzung?
Devisenanalysten der BTCC weisen darauf hin, dass der Euro-Dollar-Wechselkurs (EUR/USD) trotz Zinsdifferenzen relativ stabil bleibt. CoinGlass-Daten zeigen jedoch, dass die Open Interest in Euro-Futputs leicht rückläufig ist – ein Indiz für zurückhaltende Spekulation auf Euro-Stärke. „Die Märkte scheinen Makhloufs nüchterne Analyse zu bestätigen“, kommentierte ein BTCC-Experte.
Könnten Kryptowährungen diese Dynamik verändern?
Während einige Beobachter Bitcoin als mögliche Alternative zu beiden Fiat-Währungen sehen, betont Makhlouf die anhaltende Dominanz staatlicher Währungen. Allerdings verzeichnete der Euro-Bitcoin-Handel an Plattformen wie BTCC in den letzten Monaten erhöhte Volumina – ein Zeichen, dass Anleger nach Alternativen suchen.
Was bedeutet dies für internationale Investoren?
Portfoliomanager sollten: 1) Dollar-Exposure als Kernposition beibehalten, 2) Euro-Anlagen selektiv nach Liquidität und Rating auswählen, 3) Währungsrisiken aktiv absichern. „Der Dollar bleibt das geringste Übel“, fasst ein Londoner Fondsmanager die Stimmung zusammen.
Wie geht es jetzt weiter?
Die EU-Kommission plant neue Initiativen zur Kapitalmarktintegration bis 2026. Ob diese ausreichen werden, um den Euro konkurrenzfähiger zu machen, bleibt offen. Makhlouf schloss mit einem Appell: „Europa muss endlich erwachsen werden – wir haben keine Zeit mehr für halbherzige Lösungen.“
Häufig gestellte Fragen
Warum kann der Euro den Dollar nicht ersetzen?
Laut Makhlouf fehlen der Eurozone entscheidende Elemente wie eine einheitliche Fiskalpolitik und ein integrierter Anleihenmarkt, die den Dollar stützen.
Welche Reformen fordert die EZB?
Vollendung der Bankenunion, Schaffung europäischer „Safe Assets“ und Vertiefung der Kapitalmarktintegration stehen ganz oben auf der Agenda.
Wie positioniert sich der Euro aktuell?
Zweitwichtigste Reservewährung (20% Anteil) und Handelswährung (22% Anteil), aber deutlich hinter dem US-Dollar.
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