Bithumb-Vorstand drängt auf Wiederwahl von CEO Lee Jae-won trotz 43-Milliarden-Dollar-Fehler
- Die Hintergründe der umstrittenen Wiederwahl
- Der verheerende 43-Milliarden-Dollar-Fehler
- Regulatorische Konsequenzen und Vorstandsreaktion
- Warum der Vorstand an Lee festhält
- Vergleich mit anderen südkoreanischen Börsen
- Zukünftige Herausforderungen
- Fazit
- Häufig gestellte Fragen
In einer kontroversen Entscheidung plant der Vorstand der südkoreanischen Kryptobörse Bithumb, den aktuellen CEO Lee Jae-won für eine weitere Amtszeit von zwei Jahren wiederzuwählen – trotz eines massiven 43-Milliarden-Dollar-Fehlers, einer drohenden sechsmonatigen Betriebseinschränkung und der höchsten jemals gegen einen VASP (Virtual Asset Service Provider) in Südkorea verhängten Geldstrafe.
Die Hintergründe der umstrittenen Wiederwahl
Die geplante Wiederwahl von Lee Jae-won wäre wohl nicht einmal in Betracht gezogen worden, wenn nicht eine rechtliche Lücke existieren würde, die möglicherweise nicht von Dauer sein wird. Nach südkoreanischem Recht werden Kryptobörsen nicht als traditionelle Finanzinstitute eingestuft, was dem Bithumb-Vorstand die Möglichkeit gibt, die Wiederwahl des CEOs vorzuschlagen, anstatt ihn zum Rücktritt zu zwingen.
Der verheerende 43-Milliarden-Dollar-Fehler
Im Februar 2026 führte ein einfacher Tippfehler während einer "Glücksspiel"-Promotion zu einer der teuersten Panne in der Geschichte der Kryptowährungen. Ein Mitarbeiter gab versehentlich BTC (Bitcoin) statt KRW (südkoreanische Won) als Währungseinheit ein, was dazu führte, dass das System fälschlicherweise 2.000 BTC (damals etwa 132 Millionen Dollar) an Nutzer auszahlte statt der vorgesehenen 2.000 Won (ca. 1,38 Dollar).
Insgesamt wurden durch diesen Fehler 43 Milliarden Dollar an "Phantom-Bitcoin" in den Büchern der Börse erzeugt – ein Betrag, der fast das 15-fache der tatsächlichen Reserven der Börse ausmachte. Zwar konnte der Großteil der Mittel zurückgeholt werden, doch die Episode offenbarte schwerwiegende strukturelle Schwächen bei Bithumb.
Regulatorische Konsequenzen und Vorstandsreaktion
Der Financial Supervisory Service (FSS) steht kurz vor dem Abschluss seiner Untersuchung des Vorfalls. Parlamentarier wie Abgeordneter Kang Min-guk haben den FSS scharf kritisiert, weil er diese Systemschwächen während sechs Inspektionen zwischen 2022 und 2025 nicht erkannt hatte.
Zusätzlich erhielt Bithumb kürzlich eine Rekordstrafe von 36,8 Milliarden Won von der Financial Intelligence Unit (FIU) wegen Verstößen gegen Anti-Geldwäsche-Richtlinien (AML) und Know-Your-Customer-Vorschriften (KYC). Die Börse steht zudem vor einer sechsmonatigen teilweisen Betriebseinschränkung, die es neuen Nutzern verbieten würde, Vermögenswerte von der Plattform zu transferieren.
Warum der Vorstand an Lee festhält
Der Vorstand argumentiert, dass Lees Führung für die Bewältigung der aktuellen regulatorischen Herausforderungen unverzichtbar sei. Am 31. März 2026 soll eine entscheidende Aktionärsversammlung stattfinden, um über Lees Verbleib zu entscheiden.
Gleichzeitig hat Bithumb die Ernennung von Jung Yeon-dae, einem Steuerexperten und außerordentlichen Professor an der Sogang-Universität, zum neuen Prüfer vorgeschlagen – eine Maßnahme, die als Reaktion auf die FSS-Kritik an der "nachlässigen Aufsicht" gesehen wird.
Vergleich mit anderen südkoreanischen Börsen
Der Fall steht in starkem Kontrast zum Vorgehen der Konkurrenzbörse Dunamu (Betreiber von Upbit), deren CEO Lee Sirgoo Anfang 2025 nach ähnlichen AML- und KYC-Verstößen zurücktrat. Dunamu entschied sich für einen Führungswechsel und akzeptierte eine Strafe von 35,2 Milliarden Won, um den Ruf des Unternehmens zu schützen und die Lizenzverlängerung zu sichern.
Zukünftige Herausforderungen
Bithumb steht weiterhin unter Untersuchung wegen seiner Partnerschaft mit der nicht in Südkorea registrierten Stellar Exchange. Diese Kooperation könnte die VASP-Lizenz der Börse gefährden und weitere Sanktionen nach sich ziehen.
Der Vorstand hat zudem beantragt, das Limit für die Ausgabe von wandelbaren Schuldverschreibungen und Bezugsrechten auf 300 Milliarden Won (ca. 225 Millionen Dollar) zu verdoppeln – ein Schritt, der die finanzielle Flexibilität der Börse erhöhen soll.
Fazit
Die geplante Wiederwahl von CEO Lee Jae-won markiert einen ungewöhnlichen Kurs in der südkoreanischen Kryptobranche, wo Führungskräfte typischerweise nach schweren Verstößen zurücktreten. Ob dieser Schritt langfristig klug ist, wird sich zeigen müssen – insbesondere angesichts der anhaltenden regulatorischen Untersuchungen und der wachsenden Skepsis von Investoren.
Häufig gestellte Fragen
Warum will der Bithumb-Vorstand den CEO behalten?
Der Vorstand argumentiert, dass Lee Jae-wons Führung für die Bewältigung der aktuellen regulatorischen Herausforderungen entscheidend ist. Zudem nutzen sie eine rechtliche Lücke, die Kryptobörsen nicht als traditionelle Finanzinstitute einstuft.
Was war der 43-Milliarden-Dollar-Fehler?
Ein Mitarbeiter gab versehentlich BTC statt KRW ein, was zu einer fälschlichen Auszahlung von 2.000 BTC (132 Mio. $) statt 2.000 Won (1,38 $) führte. Dies erzeugte 43 Mrd. $ an "Phantom-Bitcoin" in den Büchern.
Welche Strafen drohen Bithumb?
Neben einer 36,8-Milliarden-Won-Strafe steht eine 6-monatige Betriebseinschränkung bevor. Zudem könnte die VASP-Lizenz aufgrund der Stellar-Exchange-Partnerschaft gefährdet sein.