Wall Street dominiert jetzt den Bitcoin-Handel: Wie Institutionen den Markt steuern
- Wie IBIT den Bitcoin-Markt revolutioniert
- Warum Institutionen jetzt auf Bitcoin setzen
- Der Wandel der Handelszeiten und -orte
- Die regulatorische Hürde: Warum 25.000 Kontrakte nicht genug sind
- Die Zukunft: Wenn „Krypto“ einfach „Finanzsystem“ heißt
Die Zeiten, in denen Bitcoin nur von Einzelhändlern und Offshore-Plattformen gehandelt wurde, sind vorbei. Wall Street hat die Kontrolle übernommen – und nutzt dabei traditionelle Finanzinstrumente, um den Krypto-Markt zu gestalten. Der iShares Bitcoin Trust (IBIT) von BlackRock steht im Zentrum dieses Wandels und verändert grundlegend, wie Risiken bewertet und abgesichert werden.
Wie IBIT den Bitcoin-Markt revolutioniert
Mit satten 86 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen ist IBIT nicht nur der größte Bitcoin-ETF der Welt, sondern hat auch einen beispiellosen Optionsmarkt geschaffen. Die offenen Positionen in IBIT-Optionen haben sich in diesem Jahr mehr als verdreifacht und erreichen 34 Milliarden US-Dollar, während das tägliche Handelsvolumen bei durchschnittlich 4 Milliarden US-Dollar liegt. Diese Zahlen übertreffen die meisten Kredit- und Schwellenländer-ETFs – nur Large-Cap-, Gold- und Small-Cap-ETFs sind aktiver.
„Es ist höchst ungewöhnlich, dass ein ETF innerhalb von nur acht Monaten nach seiner Einführung einen Optionsmarkt dieser Größenordnung entwickelt“, erklärt Rocky Fishman, Gründer von Asym 500. Institutionelle Anleger haben ihre IBIT-Positionen seit Dezember fast verdoppelt, wie regulatorische Unterlagen zeigen.
Warum Institutionen jetzt auf Bitcoin setzen
Jahrelang mieden institutionelle Player Krypto-Optionen, da diese nur offshore verfügbar waren. „Jetzt, mit Spot-ETFs und in den USA gelisteten Optionen, haben Institutionen endlich den Zugang, den sie für ihre Standardstrategien benötigen“, sagt Kevin de Patoul, CEO des Market Makers KeyRock.
Interessanterweise beobachten Analysten verändertes Handelsverhalten: Selbst wenn der Bitcoin-Preis stagniert, zeigen die Put-Optionen von IBIT erhöhte Nachfrage – ein klares Zeichen, dass Investoren sich gegen Verluste absichern. Dieser „Absicherungsfluss“ wirkt wie ein natürlicher Stoßdämpfer für die Volatilität und verhindert Panikverkäufe.
Der Wandel der Handelszeiten und -orte
Die US-Handelsstunden machen mittlerweile 57,3% aller Bitcoin-Dollar-Transaktionen aus (2021: 41,4%). Fast die Hälfte des Spot-Handelsvolumens fließt durch die zwölf in den USA gelisteten ETFs, wie Forschungen von FalconX zeigen. „Bitcoin wird jetzt wie jedes andere Asset behandelt – genau wie es die Vision immer vorsah“, kommentiert ein BTCC-Analyst.
Die regulatorische Hürde: Warum 25.000 Kontrakte nicht genug sind
Der rasante Aufstieg von IBIT stößt jedoch an regulatorische Grenzen. Die aktuelle Positionsobergrenze von 25.000 Kontrakten für IBIT-Optionen behindert größere Strategien institutioneller Anleger. Die CBOE weist darauf hin, dass diese Begrenzung das Risikoexposure deutlich unter dem Niveau anderer ETFs wie MBTX oder CBTX hält.
Die Nasdaq hat die SEC bereits aufgefordert, das Limit zu verzehnfachen. BlackRocks Digital-Asset-Chef Robbie Mitchnick erwartet „einen nicht trivialen Anstieg der Optionsvolumina“, falls die Beschränkungen fallen. Die SEC hat bis September Zeit zu entscheiden.
Die Zukunft: Wenn „Krypto“ einfach „Finanzsystem“ heißt
Während Deribit als führende Offshore-Plattform noch eine Rolle spielt, arbeiten Coinbase (die Deribit für 2,9 Milliarden US-Dollar übernommen haben) bereits an Brücken zwischen den Märkten. „Stablecoins könnten langfristig die Lücke schließen“, spekuliert Le Shi von AUROS.
Eines steht fest: Die Ära, in der Bitcoin ein Nischenasset für Enthusiasten war, ist vorbei. Wie Kevin de Patoul es ausdrückt: „Irgendwann werden alle Assets digital sein – und was wir heute Krypto nennen, wird einfach Teil des Finanzsystems sein: bewertet, abgesichert und verwaltet wie alles andere auch.“