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Euroclear warnt die EZB: Riskantere Investitionen mit eingefrorenen russischen Vermögenswerten bergen große Gefahren

Euroclear warnt die EZB: Riskantere Investitionen mit eingefrorenen russischen Vermögenswerten bergen große Gefahren

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Author:
B1tM1ner
Veröffentlichungszeit:
2025-07-16 14:18:02
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Die Debatte über die mögliche Beschlagnahmung oder Wiederanlage russischer Staatsgelder tobt in westlichen Hauptstädten seit dem großangelegten Einmarsch Russlands in die Ukraine 2022. Jetzt erwägt die EU riskantere Anlageoptionen, um die Erträge aus diesen eingefrorenen Mitteln zu steigern – doch Euroclear, der zentrale Wertpapierverwahrer, warnt vor erheblichen juristischen und finanziellen Risiken.

Warum warnt Euroclear vor riskanteren Investitionen?

Euroclear, das in Brüssel ansässige Zentralverwahrungssystem, das den Großteil der eingefrorenen Vermögenswerte der russischen Zentralbank hält, hat Bedenken gegenüber Plänen der Europäischen Kommission geäußert, die Erträge dieser Vermögenswerte in riskantere Anlagen zu investieren. Valérie Urbain, die Generaldirektorin von Euroclear, erklärte gegenüber dem Financial Times, dass eine solche Entscheidung das EU-Finanzsystem erhöhten rechtlichen, marktbezogenen und geopolitischen Risiken aussetzen könnte. Sie bezeichnete dies sogar als mögliche "Enteignung".

Die Europäische Kommission sucht nach Wegen, mehr Geld für die Ukraine zu beschaffen, indem sie die Cashflows aus den 191 Milliarden Euro eingefrorener russischer Zentralbankgelder, die bei Euroclear verwahrt werden, reinvestiert. Da die Europäische Zentralbank (EZB) jedoch die Zinssätze gesenkt hat, sind die Erträge aus sichereren Anlagen gesunken, was Brüssel dazu veranlasst hat, über einen Wechsel zu riskanteren Anlageklassen nachzudenken.

Welche Risiken birgt dieser Schritt?

Euroclear warnt, dass eine solche Änderung erhebliche finanzielle Risiken mit sich bringen und einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen könnte. "Wenn Sie die Erträge erhöhen, erhöhen Sie auch die Risiken. Und wer trägt dann dieses Risiko?", fragte Urbain. Sie betonte, dass ein Schritt hin zu riskanteren Reinvestitionen die Haftung nicht nur für Euroclear, sondern auch für die europäischen Märkte insgesamt deutlich erhöhen würde.

Die Institution arbeitet bereits unter engen Aufsichts- und Risikogrenzen, die von den Regulierungsbehörden festgelegt wurden. Ein Wechsel zu einer risikoreicheren Strategie könnte diese Parameter überschreiten. "Das systemische Risiko würde sicherlich steigen, wenn wir über das Risikoprofil hinausgehen würden, das wir haben und das von unseren Aufsichtsbehörden genehmigt wurde", sagte sie.

Was sind die rechtlichen Hindernisse?

Eine der erwogenen Optionen ist die Schaffung eines Special Purpose Vehicle (SPV), einer separaten juristischen Person, an die die Vermögenswerte der russischen Zentralbank übertragen würden. Dieses SPV könnte dann riskantere Investitionen tätigen und theoretisch höhere Erträge für die Ukraine erzielen.

Urbain warnte jedoch, dass diese Methode zu einer "Enteignung" der Euroclear-Vermögenswerte führen würde, ohne die rechtlichen Verpflichtungen gegenüber der russischen Zentralbank zu beseitigen. Sollten in Zukunft Rückerstattungsansprüche geltend gemacht werden, könnte dies erhebliche Probleme verursachen. "Juristisch gesehen würde die Schaffung eines SPV eine Enteignung der Euroclear-Mittel bedeuten", sagte sie. "Das ist eindeutig eine Position, die wir nicht vertreten können."

Wie reagiert Russland auf diese Pläne?

Euroclear steht bereits unter erheblichem rechtlichen Druck wegen seiner Rolle beim Einfrieren russischer Vermögenswerte. Über 100 Klagen wurden gegen das Verwahrinstitut eingereicht, darunter auch von sanktionierten Einzelpersonen und Unternehmen. Nach Angaben von Euroclear-nahen Quellen hat Russland als Vergeltungsmaßnahme etwa 33 Milliarden Euro an Vermögenswerten beschlagnahmt, die von Euroclear-Kunden bei seinem Moskauer Pendant gehalten wurden.

"Wir müssen sicherlich mit weiteren russischen Vergeltungsmaßnahmen in verschiedensten Formen rechnen", fügte Urbain hinzu. Obwohl der Westen weltweit etwa 260 Milliarden Euro an Vermögenswerten der russischen Zentralbank eingefroren hat, haben sich die Regierungen bisher aufgrund rechtlicher Bedenken, der Stabilität der Finanzmärkte und möglicher Vergeltungsmaßnahmen zurückgehalten, diese direkt zu beschlagnahmen.

Was fordert Euroclear für den Fall riskanterer Investitionen?

Urbain betonte, dass jeder Plan für riskantere Investitionen mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen einhergehen müsse. "Falls die russische Zentralbank die Rückgabe ihrer Vermögenswerte verlangt und diese nicht mehr vorhanden sind – wer kommt dann für den Betrag auf?", fragte sie.

Gleichzeitig unterstrich Urbain Euroclears Engagement für die Stärkung des EU-Finanzsystems. Sie unterstützt das fortlaufende Ziel der Europäischen Union, ihre fragmentierten Kapitalmärkte zu integrieren, die Unternehmensfinanzierung zu fördern und ungenutzte Ersparnisse zwischen den Mitgliedstaaten zu mobilisieren. Im Rahmen dieser Bemühungen plant Euroclear die Einführung eines "Single Access Point", der es privaten und institutionellen Anlegern ermöglichen soll, transparenter in allen 27 Mitgliedsländern des Blocks zu agieren.

Fragen und Antworten zu den russischen eingefrorenen Vermögenswerten

Warum will die EU die eingefrorenen russischen Vermögenswerte riskanter investieren?

Da die EZB die Zinssätze gesenkt hat, sind die Erträge aus sicheren Anlagen gesunken. Die EU sucht daher nach Wegen, durch riskantere Investitionen höhere Erträge zu erzielen, die dann für die Ukraine verwendet werden könnten.

Welche rechtlichen Risiken sieht Euroclear?

Euroclear warnt vor möglichen Enteignungsvorwürfen und zukünftigen Rückerstattungsansprüchen der russischen Zentralbank. Zudem könnte eine Änderung der Anlagestrategie gegen die von Aufsichtsbehörden festgelegten Risikogrenzen verstoßen.

Wie hat Russland auf die Sanktionen reagiert?

Russland hat Vergeltungsmaßnahmen ergriffen, darunter die Beschlagnahmung von etwa 33 Milliarden Euro an Vermögenswerten von Euroclear-Kunden in Russland. Weitere Vergeltungsmaßnahmen werden erwartet.

Was plant Euroclear für die Zukunft?

Euroclear will einen "Single Access Point" schaffen, um den Handel innerhalb der EU zu vereinfachen und die Integration der europäischen Kapitalmärkte voranzutreiben.

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