Kryptosteuern in Großbritannien: HMRC verschickt 65.000 Warnschreiben an Investoren

Die britische Steuerbehörde HM Revenue & Customs (HMRC) hat ihre Jagd auf unbezahlte Kryptosteuern verschärft und im Steuerjahr 2024-25 fast 65.000 Warnschreiben an Investoren verschickt – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Der starke Anstieg markiert eine neue Phase im Crackdown der Regierung gegen nicht deklarierte Gewinne aus digitalen Vermögenswerten, während der Kryptobesitz landesweit zunimmt.
HMRC verstärkt Überwachung
Laut Financial Times spiegelt der Anstieg der Briefe, oft als „Nudge Letters“ bezeichnet, den wachsenden Fokus der HMRC auf freiwillige Compliance wider. Diese Mitteilungen ermutigen Krypto-Investoren, ihre Steuererklärungen zu korrigieren, bevor die Behörde formelle Untersuchungen einleitet. In den letzten vier Jahren wurden mehr als 100.000 solcher Briefe verschickt, was zeigt, wie ernst HMRC die kryptobezogene Steuerberichterstattung nimmt.
Steuerexperten sagen, viele Investoren wüssten möglicherweise nicht einmal, dass sie Kapitalertragssteuer schulden. „Die Steuervorschriften für Krypto sind ziemlich komplex“, sagte Neela Chauhan, Partnerin bei UHY Hacker Young, dem Unternehmen, das die Daten über eine Freedom-of-Information-Anfrage erhalten hat. „Selbst der Wechsel von einer Coin zur anderen kann ein steuerpflichtiges Ereignis auslösen.“
Bessere Daten, größere Reichweite
Die Fähigkeit der HMRC, Kryptoaktivitäten zu überwachen, hat sich erheblich erweitert. Sie erhält jetzt Transaktionsdaten direkt von großen Börsen, und bis 2026 wird sie unter dem OECD Crypto-Assets Reporting Framework (CARF) automatisch globalen Zugang zu Börsenaufzeichnungen erhalten. Dieser Rahmen wird es Steuerbehörden weltweit erleichtern, Kryptotransaktionen über Grenzen hinweg zu verfolgen und die Möglichkeiten für Investoren verringern, Vermögenswerte im Ausland zu verstecken.
Die Maßnahme kommt zu einer Zeit, in der die Krypto-Adaption im UK weiter steigt. Die Financial Conduct Authority (FCA) schätzt, dass inzwischen sieben Millionen britische Erwachsene Kryptowährungen besitzen, gegenüber fünf Millionen im Jahr 2022 und etwas mehr als zwei Millionen im Jahr 2021.
Globale Crackdowns nehmen zu
Großbritannien ist nicht allein in der Verschärfung der Kryptosteueraufsicht. In den USA debattieren Gesetzgeber darüber, ob kleine Kryptotransaktionen (unter 300 US-Dollar) von der Besteuerung ausgenommen werden sollen und wie Staking-Belohnungen behandelt werden sollten. Unterdessen hat der südkoreanische National Tax Service gewarnt, dass sogar Kryptowerte in Cold Wallets beschlagnahmt werden könnten, wenn sie mit unbezahlten Steuern in Verbindung stehen.
Übersetzung: AltC0inX